Personal Trainer*in | V 2.0
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0
Gender
hinweis
PERSONAL
TRAINERIN
*IN
LEHRBRIEF
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Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen
männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. In der Regel wird das generische Maskulinum
verwendet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter. Die
verkürzte Sprachform hat nur redaktionelle Gründe und beinhaltet keine Wertung.
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ausgehändigten Informationen. Haftungsansprüche, unabhängig davon ob materieller oder ideeller Art,
die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der ausgehändigten Informationen bzw. durch die Nutzung
fehlerhafter und/oder unvollständiger Informationen verursacht wurden, sind grundsätzlich
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Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, Verbreitung, Weitergabe oder Vervielfältigung auch einzelner Teile
dieses Trainermanuals sind nur mit der ausdrücklichen Zustimmung des Unternehmens gestattet.
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INHALTSVERZEICHNIS
1
EINSTIEG IN DAS
PERSONAL TRAINING
1
2
ERSTGESPRÄCH & PROBETRAINING
9
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3
ANAMNESE UND ZIELE
23
4
ERMITTLUNG UND DOKUMENTATION DER KÖRPERZUSAMMENSETZUNG
33
5
TESTUNGEN
41
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6
TRAININGSPLANERSTELLUNG
64
7
SPOTTING & ACTING
77
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8
TRAININGSFORMEN &
-
METHODEN
100
9
FALLBEISPIELE
138
10
SELBSTÄNDIGKEIT
146
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11
MENTAL SKILLS
157
LITERATURVERZEICHNIS
166
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
177
TABELLENVERZEICHNIS
179
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1
1
EINSTIEG IN DAS PERSONAL TRAINING
Lernziele
Lernziele
Nach Bearbeitung diese
r Lektion
bist du in der Lage,
…
•
…die unterschiedlichen Einsatzbereiche eines Personal Trainers zu nennen.
•
…die Eigenschaften eines guten Personal Trainers zu benennen und deren
Bedeutung für den beruflichen Erfolg zu erklären.
•
…die Bedeutung eines klar definierten Angebotsspektrums zu beschreiben und
konkrete Bestandteile eines Angebotsportfolios zu nennen.
•
…die Unterschiede zwischen Fitnesstrainer und Personal Trainer hinsichtlich
Ausbildung, Arbeitsweise, Zielgruppen und Entlohnung zu erklären
.
1.1
Relevanz
Die Nachfrage nach Personal Training wächst stetig und eröffnet spannende Möglichkeiten in einem
dynamischen, zukunftsorientierten Berufsfeld. Ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein und der
Wunsch nach mehr Lebensqualität spiegeln einen positiven Wertewandel in unserer Gesellschaft wider
– und Personal Trainer sind gefragter denn je, um Menschen auf diesem Weg zu begleiten.
Verschiedene gesellschaftliche Veränderungen treiben diese Entwicklung an: Der demographische
Wandel, das Bedürfnis nach individueller Betreuung, der zunehmende Wunsch nach einem gesünderen
Lebensstil und eine bewusste Work-Life-Balance. In einer schnelllebigen Welt suchen immer mehr
Menschen nach professioneller Unterstützung, um ihren Alltag aktiver, gesünder und erfüllter zu
gestalten. Personal Trainer helfen ihren Kunden, individuelle Gesundheits- und Fitnessziele zu
erreichen, sei es mehr Energie, körperliche Leistungsfähigkeit oder eine stärkere Balance zwischen
Körper und Geist.
Zwischen 1992 und 2021 hat sich die Mitgliederzahl in Fitnessstudios von zwei auf neun Millionen
nahezu verfünffacht – ein deutliches Zeichen dafür, dass Fitness inzwischen einen hohen Stellenwert im
Leben vieler Menschen eingenommen hat. Neben der Individualisierung des Sports, der zunehmenden
Verstädterung und der Kommerzialisierung des Fitnessmarktes trägt auch der wissenschaftliche und
technische Fortschritt dazu bei, dass immer mehr Menschen nach höchst effektiven, personalisierten
Trainingsmethoden und exzellentem Service verlangen.
Grundlagen für eine erfolgreiche Karriere
Ein guter Personal Trainer motiviert nicht nur zu einem gesünderen Lebensstil, sondern unterstützt
seine Kunden langfristig dabei, regelmäßig Sport zu treiben und ihre Ziele zu erreichen. Doch gerade zu
Beginn der Karriere stellt sich oft die Frage, welches Wissen notwendig ist, um auf dem Markt erfolgreich
und konkurrenzfähig zu bleiben. Dabei kann der Anspruch, in allen Disziplinen der Fitnessbranche – von
Kraft- und Ausdauertraining über Ernährung bis hin zu Psychologie und Motivation – sofort Experte zu
sein, schnell zu überhöhten Erwartungen führen.
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2
Niemand, egal wie gut ausgebildet oder erfahren, kennt auf alle Fragen der Kunden sofort die richtige
Antwort. Die Wissenschaft liefert fast täglich neue Erkenntnisse, und nicht jedes neue Thema kann
sofort beherrscht werden. Wichtig ist es, sich nicht von solchen Fragen aus der Ruhe bringen zu lassen,
sondern souverän zu reagieren, fehlende Informationen in Ruhe zu recherchieren und dem Kunden
zeitnah eine fundierte Antwort zu geben. Gelassenheit und die Fähigkeit, sich weiterzubilden, sind
hierbei Schlüsselkompetenzen.
Deine Ausbildung: Der Schlüssel zur Kompetenz als Personal Trainer
Diese Ausbildung bietet die Grundlage für eine erfolgreiche Tätigkeit als Personal Trainer. Sie vermittelt
dir die wichtigsten fachlichen und praktischen Kenntnisse, die du benötigst, um kompetent mit deinen
Kunden zu arbeiten und ihnen dabei zu helfen, ihre Ziele zu erreichen. Gleichzeitig gibt sie dir die
Möglichkeit, dich gezielt weiterzuentwickeln und dich auf die Bereiche zu spezialisieren, die dich
besonders interessieren.
Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Kombination von fundiertem Wissen und praktischer
Umsetzung. Dadurch bist du in der Lage, deinen Kunden nicht nur individuell und professionell zu helfen,
sondern auch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aufzubauen. Im Laufe deiner Tätigkeit wirst du
lernen, auf wissenschaftliche Trends und spezifische Kundenfragen sicher einzugehen – Fähigkeiten, die
mit zunehmender Erfahrung weiter wachsen.
Die Inhalte dieser Ausbildung sind darauf ausgerichtet, dir den Einstieg in das vielseitige Berufsfeld des
Personal Trainings zu erleichtern. Mit einem abwechslungsreichen Themenmix wirst du optimal auf die
Herausforderungen in diesem Bereich vorbereitet.
1.2
Unterschied zum Fitnesstrainer
Die Begriffe
Fitnesstrainer
und
Personal Trainer
sind vielen bekannt, doch die Tätigkeiten und
Anforderungen dieser beiden Berufe unterscheiden sich deutlich. Die Unterschiede betreffen vor allem
die Ausbildung, die Kompetenzen, die Arbeitsweise, den Arbeitsplatz und die Art der Entlohnung.
Hierbei verfolgt jeder Beruf einen eigenen Ansatz, um Menschen bei der Erreichung ihrer Fitnessziele
zu unterstützen.
Fitnesstrainer: Betreuung im Studioumfeld
Fitnesstrainer absolvieren in der Regel eine Ausbildung mit einer A-, B- oder C-Lizenz, die als Grundlage
für ihre Tätigkeit dient. Diese Lizenzen vermitteln je nach Niveau grundlegendes bis fortgeschrittenes
Wissen über Trainingslehre, Anatomie und die praktische Arbeit mit Kunden. Ein Fitnesstrainer ist
hauptsächlich in Fitnessstudios oder anderen Einrichtungen des Gesundheits- und Fitnesssektors tätig.
Die Hauptaufgabe eines Fitnesstrainers besteht darin, mehrere Kunden gleichzeitig zu betreuen. Sie
zeigen den Mitgliedern, wie die Geräte genutzt werden, erstellen allgemeine Trainingspläne und
korrigieren die Übungsausführung. Dabei wird individuell auf die Stärken und Schwächen der Mitglieder
eingegangen – allerdings oft nur in einem begrenzten Rahmen, da ein Fitnesstrainer üblicherweise viele
Personen gleichzeitig im Blick behalten muss.
Fitnesstrainer arbeiten meist in einem Angestelltenverhältnis, haben feste Arbeitszeiten und erhalten
ein monatliches Gehalt. Einige Trainer gehen den Weg in die Selbstständigkeit, doch dies ist die
Ausnahme.
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3
Personal Trainer: Individuelle Betreuung und Flexibilität
Wer als Personal Trainer arbeiten möchte, benötigt in der Regel eine Fitnesstrainer-Lizenz als
Grundlage. Die Ausbildung zum Personal Trainer ist darauf aufbauend eine spezialisierte Weiterbildung,
die vertieftes Wissen in Bereichen wie Ernährung, Trainingssteuerung und Motivation vermittelt.
Der größte Unterschied zum Fitnesstrainer liegt in der Arbeitsweise. Personal Trainer arbeiten
individuell und intensiv mit einem oder maximal zwei Kunden gleichzeitig. Diese enge Zusammenarbeit
beginnt meist mit einem Anamnesegespräch, in dem die Ziele, Bedürfnisse und gesundheitlichen
Voraussetzungen des Kunden detailliert erfasst werden. Auf dieser Grundlage entwickelt der Personal
Trainer maßgeschneiderte Trainings- und Ernährungspläne.
Die Zielgruppen eines Personal Trainers sind oft Personen mit spezifischen Anliegen, wie der Einstieg in
den Leistungssport, die Genesung nach Verletzungen oder erhebliche Gewichtsreduktion. Diese Ziele
erfordern ein hohes Maß an Motivation, Durchhaltevermögen und die Fähigkeit des Trainers, den
Kunden langfristig zu begleiten.
Ein weiterer Unterschied ist die Arbeitsumgebung. Während Fitnesstrainer meist an einen festen
Arbeitsplatz gebunden sind, ist der Personal Trainer flexibel. Er arbeitet häufig mobil, etwa im Freien,
zu Hause beim Kunden oder in speziellen Einrichtungen, und bringt sein eigenes Equipment wie Matten,
TRX-Bänder oder Springseile mit.
Entlohnung und Selbstständigkeit
Personal Trainer arbeiten in den meisten Fällen selbstständig, da ihre flexible und individuelle
Arbeitsweise dies erfordert. Sie werden in der Regel pro Stunde bezahlt und legen ihre Stundensätze
selbst fest. Diese können, abhängig von ihrer Erfahrung, Qualifikation und Spezialisierung, entsprechend
hoch ausfallen. Im Gegensatz dazu erhalten Fitnesstrainer als Angestellte ein festes Gehalt.
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Tabelle 1 Gegeüberstellung Personal Trainer vs. Fitnesstrainer
Fähigkeiten/
Kompetenzen
Personal Trainer
Fitnesstrainer
Ausbildung
Weiterbildung auf Basis einer Fitnesstrainer-
Lizenz
A-, B- oder C-Lizenz in
Fitnesstraining
Betreuungsansatz
Individuelle Betreuung (1-2 Kunden
gleichzeitig)
Betreuung mehrerer Personen
gleichzeitig
Arbeitsweise
Maßgeschneiderte Trainings- und
Ernährungspläne
Allgemeine Trainingspläne und
Geräteeinweisung
Kundeninteraktion
Detaillierte Anamnese und zielgerichtete
Betreuung
Grundlegende Unterstützung
bei Übungen
Flexibilität
Arbeitet mobil (z. B. zu Hause, im Freien,
etc.)
Meist gebunden an einen
festen Standort (Fitnessstudio)
Zielgruppen
Personen mit spezifischen Zielen (z. B.
Leistungssport, Rehabilitation,
Gewichtsreduktion)
Breites Publikum ohne
spezifische Anforderungen
Arbeitsverhältnis
Meist selbstständig
Meist angestellt
Entlohnung
Stundenbasiert, Stundensatz selbst
festlegbar
Festes Gehalt
Soziale
Kompetenzen
Hohe Anforderungen (Motivation,
Durchhaltevermögen)
Moderate Anforderungen
Equipment
Eigenes Equipment erforderlich
Nutzung des Studio-
Equipments
Fazit
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der Personal Trainer sich durch seine individuelle und
intensive Betreuung, seine größere Flexibilität und seine erweiterte Ausbildung deutlich vom
Fitnesstrainer unterscheidet. Während der Fitnesstrainer häufig mehrere Personen gleichzeitig betreut
und sich auf die allgemeine Unterstützung und Geräteeinweisung konzentriert, arbeitet der Personal
Trainer gezielt mit Einzelkunden oder Kleingruppen. Dies ermöglicht eine maßgeschneiderte
Herangehensweise, bei der spezifische Ziele wie Rehabilitation, Leistungssport oder Gewichtsreduktion
verfolgt werden können.
Die erweiterte Ausbildung eines Personal Trainers ergibt sich nicht nur aus den Grundlagen, die im
Rahmen einer Fitnesstrainer-Lizenz vermittelt werden, sondern auch aus den zahlreichen zusätzlichen
Qualifikationen, die häufig für diesen Beruf angestrebt werden. Themen wie Ernährung,
Trainingssteuerung, Coaching und Motivation sowie Spezialisierungen auf Zielgruppen oder
Trainingsmethoden gehören oft dazu und erweitern die fachlichen Kompetenzen erheblich. Diese
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umfassendere Wissensbasis, kombiniert mit hohen Anforderungen an soziale Kompetenzen und
Eigenverantwortung, ist eine wesentliche Voraussetzung, um Kunden erfolgreich zu betreuen und
langfristig zu motivieren.
1.3
Einsatzbereiche
Personal Trainer haben heute die Möglichkeit, ihren Beruf auf unterschiedliche Weise und in
verschiedenen Umfeldern auszuüben. Dabei bieten sich drei zentrale Einsatzbereiche:
Der Personal Trainer als Angestellter eines Fitness
-
Clubs:
In dieser Position profitieren Personal Trainer von einem festen Kundenstamm, der bereits vor Ort ist.
Das unternehmerische und finanzielle Risiko bleibt gering, da der Club für Marketing, Infrastruktur und
oft auch die Kundenakquise sorgt. Der Fokus liegt hier voll auf der Betreuung und dem Training der
Kunden, ohne zusätzliche unternehmerische Verantwortung.
Der Personal Trainer als selbstständiger Unternehmer mit eigenem Standort:
Wer eigene Räumlichkeiten, wie ein kleines Studio, betreibt, lädt die Kunden direkt zu sich ein und kann
ein ganz individuelles Trainingsumfeld schaffen. Als selbstständiger Trainer übernimmt man zwar
unternehmerische Verantwortung, aber auch die Freiheit, ein maßgeschneidertes Angebot aufzubauen
und Kunden auf spezifische Weise anzusprechen.
Der mobile Personal Trainer:
Hier passt sich der Trainer den Bedürfnissen der Kunden an, indem er sie direkt zu Hause oder an einem
Wunschort besucht. Diese Flexibilität ist besonders attraktiv für Kunden mit engem Zeitplan oder
speziellen Trainingsanforderungen. Für den Trainer eröffnet sich so die Möglichkeit, einen exklusiven
Service anzubieten, der eine persönliche und flexible Betreuung erlaubt.
In allen Bereichen können sich Personal Trainer auf vielfältige Themengebiete spezialisieren, z. B. Kraft-
und Ausdauertraining, Bewegungsanalyse, Leistungsdiagnostik, Entspannungstechniken oder
Ernährungsberatung. Zu Beginn der Karriere kann es hilfreich sein, sich auf bestimmte Einsatzbereiche
zu konzentrieren und diese klar zu kommunizieren. So lässt sich das eigene Fachwissen vertiefen, und
potenzielle Kunden können leicht erkennen, ob das Angebot zu ihren Bedürfnissen passt. Durch
kontinuierliche Weiterbildung kann das Angebot später erweitert und an neue Kundenbedürfnisse
angepasst werden, um stets eine optimale Betreuung zu gewährleisten.
1.4
Individuelle Betreuung
Ein herausragendes Merkmal des Personal Trainings ist die individuelle und persönliche Betreuung, die
weit über das hinausgeht, was in anderen Fitnessangeboten üblich ist. Anders als im Gruppentraining
steht beim Personal Training der Kunde mit seinen Wünschen und Bedürfnissen im Mittelpunkt. Diese
intensive 1:1-Betreuung ermöglicht es, spezifische Ziele effizient und mit hoher Erfolgsaussicht zu
erreichen. Das Training kann flexibel und unabhängig von Ort und Zeit gestaltet werden, was für viele
Kunden ein großer Vorteil ist.
Ein guter Personal Trainer zeichnet sich dadurch aus, dass er auf die individuellen Bedürfnisse und
Charaktereigenschaften seiner Kunden eingeht, ohne dabei seine eigene Authentizität zu verlieren.
Dabei sind sowohl Sozialkompetenz als auch Fachkompetenz gefragt. Die enge Zusammenarbeit
erfordert ein Vertrauensverhältnis, das durch eine wertschätzende und authentische Kommunikation
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gestärkt wird. So können die Ziele realistisch eingeschätzt und dem Kunden auf motivierende Weise
vermittelt werden, ohne ihn zu überfordern.
Darüber hinaus bietet Personal Training eine ganzheitliche Betreuung, die oft über das reine Training
hinausgeht. Viele Trainer ergänzen ihre Leistungen durch Ernährungsberatung, Entspannungseinheiten
oder Kooperationen mit anderen Experten. Diese umfassende Betreuung stärkt die Bindung zum
Kunden und fördert eine nachhaltige Veränderung zu einem gesünderen Lebensstil.
Eigenschaften eines guten Personal Trainers
Ein erfolgreicher Personal Trainer vereint eine Vielzahl an Eigenschaften:
•
selbstbewusst und in der Lage, Kunden zu motivieren
•
zuverlässig und verantwortungsbewusst
•
flexibel und anpassungsfähig
•
kreativ und innovativ im Entwickeln neuer Trainingsideen
•
sozial kompetent im Umgang mit verschiedenen Persönlichkeiten
•
zielbewusst und engagiert in der Erreichung von Kundenzielen
•
strebsam in der eigenen Weiterentwicklung
•
höflich und gewandt im Auftreten
Wichtige Fähigkeiten im Personal Training
Die Fähigkeiten eines Personal Trainers sind entscheidend für den Erfolg:
•
Strukturiertes Denken, um den Fortschritt zu planen und zu überwachen
•
Motivationsfähigkeit, um Kunden durch Herausforderungen zu begleiten
•
Psychologisches und pädagogisches Denken, um individuelle Bedürfnisse zu
verstehen
•
Gezielter Einsatz von Kommunikation, um Anweisungen klar und empathisch zu
vermitteln
Diese Eigenschaften und Fähigkeiten machen Personal Trainer zu wertvollen Partnern, die ihre Kunden
auf ihrem Weg zu einem gesünderen und fitteren Leben umfassend unterstützen können.
1.5
Angebotsspektrum
Ein klar definiertes Angebotsspektrum ist unerlässlich für den Erfolg im Personal Training. Es bildet die
Grundlage für eine effektive Marketingstrategie und steigert gleichzeitig die Zufriedenheit der Kunden.
Bereits zu Beginn der Karriere ist es sinnvoll, sich Gedanken darüber zu machen, welche
Dienstleistungen und Schwerpunkte im Portfolio enthalten sein sollen und wie diese kommuniziert
werden. Ein breites Angebotsspektrum kann eine größere Zielgruppe ansprechen, doch es ist ebenso
wichtig, die eigenen Stärken und Schwächen ehrlich einzuschätzen. Eine klare Kommunikation dieser
Schwerpunkte schafft Vertrauen und ermöglicht es den Kunden, informierte Entscheidungen zu treffen.
Eine kontinuierliche Weiterbildung stellt sicher, dass das Wissen und das Angebot des Trainers stets
aktuell und relevant bleiben. Dabei geht es weniger darum, jedem neuen Trend zu folgen, sondern
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vielmehr darum, mit wissenschaftlichen Erkenntnissen Schritt zu halten und sich auf fundierte
Methoden zu konzentrieren. Ein verantwortungsvoller Trainer gestaltet sein Verhalten und sein
Angebot im Einklang mit aktuellen Erkenntnissen und empfiehlt nur Maßnahmen, die nachweislich zum
Erfolg führen.
Erfolg durch Spezialisierung
Eine erfolgreiche Strategie für viele Personal Trainer ist die Spezialisierung. Durch die gezielte
Ausrichtung auf bestimmte Zielgruppen oder Trainingsmethoden können Maßnahmen zur
Kundenakquise und Kundenbindung optimiert werden. Auch die Auswahl passender
Kooperationspartner wird durch eine Spezialisierung erleichtert.
Beispiele für Spezialisierungen sind:
•
Zielgruppenorientierte Spezialisierung
: Spezialisierung auf bestimmte
Kundengruppen wie Frauen, Menschen mit Adipositas, oder Leistungssportler.
•
Methodenorientierte Spezialisierung
: Spezialisierung auf spezifische
Trainingsmethoden wie Lauftraining, Outdoortraining oder den Einsatz
besonderer Geräte.
Mögliche Bestandteile eines Angebotsportfolios
Das Angebot eines Personal Trainers kann vielfältig gestaltet sein und individuell auf die Bedürfnisse der
Kunden angepasst werden. Ein attraktives Portfolio könnte folgende Dienstleistungen umfassen:
•
Flexible Trainingszeiten und
-
orte
: Training nach den zeitlichen und örtlichen
Bedürfnissen des Kunden.
•
Kundenspezifische Angebote
: Spezielle Trainingsformen wie Krafttraining,
Ausdauertraining, Gewichtsreduktion, Rückentraining, Flexibilitätstraining oder
Entspannungstraining.
•
Gesundheits
-
Check
: Erfassung des gesundheitlichen Status zur Planung eines
individuellen Trainingsprogramms.
•
Zielgerichtete Trainingsplanerstellung
: Erstellung eines personalisierten
Trainingsplans, der auf die Ziele und Bedürfnisse des Kunden abgestimmt ist.
•
Regelmäßige Verlaufsanalysen
: Überprüfung des Fortschritts zur Anpassung
des Trainings.
•
Individuelle Betreuung
: Intensive 1:1-Betreuung, um den Kunden optimal zu
unterstützen.
•
Ernährungsberatung
: Beratung zur gesunden Ernährung als Ergänzung des
Trainings.
•
Stressbewältigung
: Methoden und Techniken zur Reduktion von Stress und zur
Förderung des mentalen Wohlbefindens.
Dieses breite Angebotsspektrum ermöglicht es, gezielt auf die individuellen Wünsche und Ziele der
Kunden einzugehen und sich zugleich als kompetenter, vielseitiger Anbieter am Markt zu positionieren.
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Ein gut strukturiertes und kommuniziertes Portfolio kann maßgeblich dazu beitragen, eine erfolgreiche
und erfüllende Karriere im Personal Training aufzubauen.
Recap
Recap
Hier noch mal zusammengefasst, was du in dieser Lektion gelernt hast:
•
Du kannst die unterschiedlichen Einsatzbereiche eines Personal Trainers nennen.
•
Die Eigenschaften eines guten Personal Trainers und deren Bedeutung für den
beruflichen Erfolg sind dir bekannt.
•
Du kannst die Bedeutung eines klar definierten Angebotsspektrums beschreiben
und konkrete Bestandteile eines Angebotsportfolios nennen.
•
Die Unterschiede zwischen Fitnesstrainer und Personal Trainer hinsichtlich
Ausbildung, Arbeitsweise, Zielgruppen und Entlohnung kannst du konkret nennen.
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2
ERSTGESPRÄCH & P
R
OBETRAINING
Lernziele
Lernziele
Nach Bearbeitung diese
r Lektion
bist du in der Lage,
…
•
…den zeitlichen Ablauf eines Erstgesprächs zu skizzieren.
•
…die Relevanz eines Gesundheitsfragebogens im Personal Training zu erklären.
•
…die vier Kommunikationsebenen (nach Schulz von Thun) und deren Bedeutung im
Personal Training zu benennen und zu beachten.
•
…die Leistungen und Aufgaben eines Personal Trainers während des Trainings zu
nennen.
•
…e
in Probetraining zu planen und durchzuführen.
2.1
Zeitlicher Ablauf bei Neukunden
Der zeitliche Ablauf bei der Betreuung eines Neukunden sollte strukturiert und professionell gestaltet
werden, um alle relevanten Informationen zu erfassen und ein individuelles Trainingskonzept zu
erstellen. Dabei empfiehlt sich der folgende Ablauf:
1.
Erstgespräch
Zu Beginn steht das Erstgespräch, bei dem die Motive und Wünsche des Kunden
analysiert werden. Ziel ist es, die Erwartungen und Ziele des Kunden zu verstehen
sowie eine vertrauensvolle Basis für die Zusammenarbeit zu schaffen. Offene
Fragen und eine angenehme Gesprächsatmosphäre unterstützen diesen Prozess.
2.
Probetraining
Nach dem Erstgespräch sollte ein Probetraining vereinbart werden. Dieses bietet
die Möglichkeit, eine erste Haltungsanalyse durchzuführen und einen Eindruck
von der Leistungsfähigkeit des Kunden zu gewinnen. Gleichzeitig kann der Trainer
seine fachliche und didaktische Kompetenz unter Beweis stellen. Das
Probetraining dient nicht nur der Analyse, sondern auch dazu, den Kunden von
der Qualität des Trainings zu überzeugen.
3.
Verkaufsgespräch
Im Anschluss an das Probetraining folgt ein Verkaufsgespräch, in dem die
Vertragskonditionen klar kommuniziert werden. Ziel ist es, den Kunden für eine
langfristige Zusammenarbeit zu gewinnen, indem die Vorteile und Inhalte des
Trainings verständlich und transparent dargelegt werden.
4.
Gesundheits
-
und Motoriktests
Bei Bedarf wird als nächster Schritt ein
Gesundheitsfragebogen ausgefüllt. Ergänzend dazu können verschiedene
Gesundheits- und Motoriktests durchgeführt werden, um den körperlichen
Zustand des Kunden genauer zu analysieren.
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10
Diese Tests umfassen:
•
Haltungsanalyse
•
Flexibilitätstests
•
Muskelfunktionsdiagnostik
•
BMI
•
Calipometrie
•
Krafttests
•
Ausdauertests
Die gewonnenen Daten liefern eine umfassende Grundlage, um die Trainingsplanung individuell auf den
Kunden abzustimmen.
1.
Zieldefinition
Anhand der gesammelten Daten wird im nächsten Schritt die Zieldefinition
vorgenommen. Diese erfolgt nach der S.M.A.R.T.-Methode (spezifisch, messbar,
attraktiv, realistisch, terminiert), um die Ziele des Kunden klar und erreichbar zu
formulieren. Diese Definition gibt sowohl dem Kunden als auch dem Trainer eine
klare Orientierung für die Zusammenarbeit.
2.
Erstellung des Trainingsplans
Auf Basis der Zielsetzung und der Testdaten wird ein individueller Trainingsplan
erstellt. Dieser Plan legt die Übungen, Trainingsinhalte und den zeitlichen Ablauf
fest, um die gesetzten Ziele effizient und nachhaltig zu erreichen.
3.
Trainingsverlaufsanalyse
Abschließend sollte der Trainingsverlauf regelmäßig überprüft werden. Ziel ist es,
die Fortschritte des Kunden zu dokumentieren und den Trainingsplan
gegebenenfalls anzupassen. Die Verlaufsanalyse kann individuell auf die Ziele des
Kunden abgestimmt werden, beispielsweise durch Krafttests zur Überprüfung des
Kraftzuwachses oder Ausdauertests zur Messung der Leistungssteigerung.
Abbildung 1 Zeitlicher Ablauf der Kundenbetreuung (eigene Darstellung)
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11
2.2
Kommunikation
Neben der fachlichen Qualifikation zählen Auftreten und Kommunikation zu den entscheidenden
Faktoren, die über Erfolg oder Misserfolg im Personal Training entscheiden. Während diese Aspekte
bereits im klassischen Fitnesstraining von Bedeutung sind, gewinnen sie durch die häufig intensivere,
kostspieligere und potenziell längerfristige Zusammenarbeit im Personal Training noch mehr Gewicht.
Oft ist auch das Klientel, mit dem Personal Trainer zusammenarbeiten, in diesen Bereichen geschult,
was eine eingehende Beschäftigung mit dem Thema Kommunikation sinnvoll macht.
Bedeutung der Kommunikation
Der Erstkontakt zwischen Trainer und künftigen Kunden ist besonders wichtig. Zu Beginn einer
Zusammenarbeit können die meisten Sportler die fachliche Kompetenz eines Trainers schwer
einschätzen, obwohl diese im Laufe der Zusammenarbeit an Bedeutung gewinnt und zur Zufriedenheit
beiträgt. Gelingt es jedoch nicht, Kunden von der eigenen Person zu überzeugen und Vertrauen
aufzubauen, wird eine langfristige Zusammenarbeit unwahrscheinlich.
Von einem Personal Trainer wird erwartet, dass er alle Fragen des Kunden kompetent beantworten
kann. Sollte dies in bestimmten Momenten nicht möglich sein, ist eine geschickte Kommunikation
hilfreich, um keine Unsicherheit zu vermitteln. Das Vertrauen in die Person des Trainers und dessen
Fachkompetenz ist entscheidend für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Fachliche Qualifikationen sind
wichtig, doch ohne persönliches Vertrauen wird der Kunde sich möglicherweise für einen anderen
Anbieter entscheiden.
Der Umgang mit verschiedenen Charakteren erfordert eine vielseitige und versierte Form der
Kommunikation. Unterschiedliche Formen des sozialen Verhaltens können je nach Persönlichkeit des
Kunden zum gewünschten Erfolg führen. Zudem ist Kommunikation unvermeidlich – jedes gesprochene
Wort und jede Körpersprache werden interpretiert und können anders verstanden werden, als
ursprünglich beabsichtigt.
Kommunikationsebenen
Nach Friedemann Schulz von Thun existieren vier Kommunikationsebenen: die Sachebene, die
Beziehungsebene, die Selbstoffenbarungsebene und die Appellebene. Jede Form der Kommunikation
umfasst dabei sowohl einen inhaltlichen als auch einen Beziehungsaspekt (Linz, L., 2004). Jede Aussage
kann sowohl von der Person, die sie tätigt (Sender), als auch von der Person, die sie wahrnimmt
(Empfänger), unterschiedlich aufgefasst werden.
•
Sachebene
: Der Inhalt wird sachlich und neutral dargestellt, z. B. Zahlen und
Fakten ohne Interpretation.
•
Beziehungsebene
: Die Aussage wird gedeutet und kann vom Empfänger
sowohl positiv als auch negativ interpretiert werden.
•
Selbstoffenbarungsebene
: Eine oft unbewusste emotionale Deutung der
Aussage, bei der der Sender seine persönlichen Empfindungen einfließen lässt.
•
Appellebene
: Die Aussage fordert den Empfänger zu einer Reaktion auf.
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12
Abbildung 2 Vier Seiten der Nachricht (Schulz von Thun, 2008)
Vier Seiten der Nachricht - ein Modellstück der zwischenmenschlichen Beziehung (Schulz von Thun, 2008)
Schulz von Thun betont, dass der Erfolg der Kommunikation besonders von der Beziehungsebene
abhängt. Etwa 80 Prozent der Entscheidungen hängen direkt vom Verhältnis zwischen den
Gesprächspartnern ab. Eine persönliche Bindung und ein gewisses Vertrauensverhältnis verlängern
nicht nur die Zusammenarbeit, sondern schaffen eine Atmosphäre, in der Kunden Probleme offen
ansprechen können, was die Ergebnisse und Zufriedenheit beider Parteien verbessert.
Beispiel zur Verdeutlichung der Kommunikationsebenen
Situation und Aussage: Der Gesprächspartner sitzt in einem Raum, wird von der Sonne geblendet und
möchte dies mitteilen.
•
S
achebene: „
Die Sonne blendet
.“
•
Beziehungsebene: „
Ein ungünstiger Raum wurde gewählt
.“
•
Selbstoffenbarungsebene: „
Ich bin lichtempfindlich
.“
•
Appellebene: „
Der Rollladen sollte heruntergelassen werden.
“
Nonverbale Kommunikation
Nonverbale Kommunikation spielt ebenfalls eine bedeutende Rolle im Umgang und in der
Zusammenarbeit mit Kunden. Gestik und Mimik sind notwendig, um Kunden zu vermitteln, dass ihre
Meinung ernst genommen und respektiert wird (Fuchs, 2003). Eine zugewandte Körpersprache und
reaktive Mimik, wie ein Lächeln oder Nicken im richtigen Moment, zeigen Interesse und Offenheit und
fördern eine positive Atmosphäre.
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13
Kommunikationsregeln
Um eine reibungslose und erfolgreiche Kommunikation zwischen Trainer und Kunde zu gewährleisten,
helfen folgende Grundsätze:
•
Aktives Zuhören
•
Nonverbale Zeichen des aufmerksamen Zuhörens geben (z. B. bestätigendes
Nicken)
•
Aussagen positiv formulieren
•
Verallgemeinerungen und das Hineininterpretieren vermeiden
•
Bei Zweifeln gezielt nachfragen
•
Sich auf die Ausdrucksweise des Kunden einstellen
•
Ablenkungen und mögliche Störquellen vermeiden (Handy stumm schalten
etc.)
Um ein Gefühl zu bekommen wie ein Erstgespräch ablaufen kann, haben wir ein Video in unserem
Online Lernmanagement Tool hochgeladen.
2.3
D
as Erstgespräch
Das Erstgespräch bildet den ersten persönlichen Kontakt zwischen Personal Trainer und Kunde und ist
entscheidend für die gemeinsame Basis und das Vertrauen in die Zusammenarbeit. Es handelt sich
hierbei um ein unverbindliches und in der Regel unvergütetes Treffen, das idealerweise mit einem
Probetraining kombiniert wird. So können sich Kunde und Trainer auf menschlicher und fachlicher
Ebene besser kennenlernen. Für den ersten Eindruck gibt es schließlich keine zweite Chance!
Im Erstgespräch geht es nicht darum, konkrete Vertragskonditionen oder Trainingspläne festzulegen.
Vielmehr werden die Prioritäten, Motivationen, Stärken, Probleme und Bedürfnisse des Kunden
erörtert. Der Trainer vermittelt dabei die nötige Sicherheit und baut Vertrauen in seine fachliche
Kompetenz auf, indem er sich authentisch und empathisch auf die Anliegen des Kunden einlässt.
Gesprächsinhalte des Erstgesprächs
Im Erstgespräch werden die folgenden Themen besprochen:
•
Trainingsphilosophie und Arbeitsweise
: Der Trainer erläutert seine Grundsätze
und Methoden, um dem Kunden einen Eindruck von seiner Arbeitsweise zu
vermitteln.
•
Allgemeine Informationen über den Kunden
: Diese umfassen Informationen zur
Lebensweise und persönlichen Situation, die oft hilfreich für eine langfristige
Bindung sind.
•
Ziele und Motive des Kunden
: Hier geht es um die Wünsche des Kunden sowie
bisherige Versuche, diese zu erreichen.
•
Aktuelle Trainings
-
, Ernährungs
-
und Gesundheitssituation
: Um das Training
optimal auf den Kunden abzustimmen, wird der aktuelle Stand erfragt.
•
Herkunft des Kundenkontakts
: Ein besseres Verständnis darüber, wie der Kunde
auf den Personal Trainer aufmerksam geworden ist, kann für zukünftige
Marketingmaßnahmen hilfreich sein.
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14
Obwohl manche Informationen nicht direkt für die Trainingsgestaltung relevant sind, wie z. B. Details
zum Umfeld des Kunden, tragen sie dennoch maßgeblich zur Kundenbindung bei und helfen dem
Trainer, ein umfassendes Bild des Kunden zu gewinnen.
Inhalte des Gesundheitsfragebogens
Der Gesundheitsfragebogen ist ein wichtiges Werkzeug im Erstgespräch, um die gesundheitlichen und
persönlichen Umstände des Kunden zu erfassen:
•
Habituelle Gewohnheiten
: Informationen zu Genussmittelkonsum,
Ernährungsgewohnheiten und Hobbys geben Aufschluss über den Lebensstil
des Kunden.
•
Individuelle Umstände
: Stressfaktoren, Allergien und chronische Erkrankungen
werden besprochen, um das Training sicher und individuell anzupassen.
•
Wünsche und Bedürfnisse
: Der Trainer klärt ab, ob die Wünsche des Kunden
den tatsächlichen gesundheitlichen Bedürfnissen entsprechen. Beispielsweise
kann es vorkommen, dass eine Kundin abnehmen möchte, obwohl sie bereits
untergewichtig ist. Hier ist ein sensibler Umgang gefragt.
In der Online Lern-Plattform gibt es einen Beispiel Gesundheitsfragebogen zum Download.
Gesprächssetting
Das Setting des Erstgesprächs sollte so gestaltet sein, dass der Kunde sich wohl und verstanden fühlt:
•
Angenehme Atmosphäre schaffen
: Ein geschlossener Raum und die Wahrung
der Privatsphäre sind wichtig, um eine entspannte Gesprächsatmosphäre zu
schaffen.
•
Ausreichend Zeit einplanen und Ruhe vermitteln
: Beide Seiten sollten sich Zeit
nehmen, um alle relevanten Informationen ohne Zeitdruck zu sammeln.
•
Offenheit und Unvoreingenommenheit ausstrahlen
: Der Trainer sollte sich frei
von Vorurteilen zeigen, um eine produktive und respektvolle Zusammenarbeit
zu ermöglichen.
•
Stärken und Schwächen des Kunden erfassen
: Ein zentrales Ziel des
Erstgesprächs ist es, die Ressourcen und Defizite des Kunden zu erkennen, um
das Training optimal auf seine individuellen Bedürfnisse abzustimmen.
Das Erstgespräch legt den Grundstein für eine vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit und
schafft die Basis, auf der das individuelle Training aufgebaut werden kann.
2.4
Persönlichkeitstypen
Im Personal Training ist es hilfreich, verschiedene Persönlichkeitstypen zu erkennen und zu verstehen,
wie diese ihre Ziele und Erfolge bewerten. Es gibt insbesondere zwei ausgeprägte
Motivationsrichtungen: die erfolgsorientierte und die meidungsorientierte Motivausprägung. Diese
grundlegenden Unterschiede können wertvolle Einsichten in die Zielsetzung und die passende
Motivationsstrategie bieten.
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15
Erfolgsorientierte Menschen
Erfolgsorientierte Menschen zeichnen sich durch eine optimistische und aktive Grundhaltung aus. Sie
sind oft offensiv und suchen bewusst nach Herausforderungen. Ihre Handlungen sind zielgerichtet, und
sie übernehmen gerne Verantwortung für ihre Erfolge. Erfolgsorientierte Personen setzen sich
realistische Ziele und streben nach Erfolg durch ihre eigene Leistung. Typische Merkmale dieses
Persönlichkeitstyps sind:
•
Optimistisch und selbstbewusst
•
Aktiv und offensiv in ihrem Verhalten
•
Risiko suchend, bereit, neue Herausforderungen anzunehmen
•
Zielorientiert und entschlossen
•
Verantwortung suchend und bereit, für Erfolge einzustehen
•
Anspruchsniveau realistisch, d. h., sie setzen sich erreichbare Ziele
•
Erfolg durch Eigenleistung – sie schreiben ihren Erfolg der eigenen
Anstrengung und Tüchtigkeit zu
Meidungsorientierte Menschen
Im Gegensatz dazu steht der meidungsorientierte Persönlichkeitstyp, der primär versucht, Misserfolge
zu vermeiden. Diese Menschen neigen zu einer pessimistischen Einstellung und handeln oft reaktiv und
defensiv. Sie sind risikoavers und legen ihren Fokus eher auf die Aufgabenbewältigung als auf das
Erreichen ambitionierter Ziele. Typischerweise vermeiden sie Verantwortung und setzen sich oft
unrealistische, niedrige oder besonders hohe Anforderungen. Merkmale dieses Typs umfassen:
•
Pessimistisch und häufig zurückhaltend
•
Reaktiv und defensiv in ihrem Verhalten
•
Risiko meidend, vorsichtig in Entscheidungen und Handlungen
•
Aufgabenorientiert statt zielorientiert
•
Verantwortung vermeidend und eher auf Sicherheit bedacht
•
Anspruchsniveau unrealistisch, was zu Enttäuschungen führen kann
•
Misserfolg durch Eigenfehler – neigen dazu, Misserfolge auf persönliche Fehler
zurückzuführen
Selbstbewertung und Motivausprägung
Die Selbstbewertung einer Leistung hängt stark von der Motivausprägung des jeweiligen
Persönlichkeitstyps ab. Erfolgsorientierte Menschen tendieren dazu, ihre Erfolge positiv zu bewerten
und sich selbst als Ursache für den Erfolg zu sehen, was ihr Selbstvertrauen stärkt. Meidungsorientierte
Personen hingegen neigen dazu, Misserfolge hervorzuheben und die Verantwortung für den Misserfolg
auf persönliche Schwächen zurückzuführen.
Dieses Wissen ermöglicht es einem Personal Trainer, die Zielsetzung und Motivationstechniken auf den
jeweiligen Persönlichkeitstyp anzupassen. Während erfolgsorientierte Kunden mit herausfordernden,
klar definierten Zielen und positiver Bestärkung gefördert werden können, benötigen
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16
meidungsorientierte Kunden möglicherweise mehr Unterstützung, um realistische Erwartungen zu
setzen und Misserfolge als Lernerfahrungen zu betrachten.
2.5
Leistungen
und
Aufgaben
Personal Trainer bieten ein umfassendes Leistungsspektrum, das auf die individuellen Bedürfnisse und
Ziele ihrer Kunden zugeschnitten ist. Diese Leistungen gehen weit über das bloße Anleiten von Übungen
hinaus und umfassen eine ganzheitliche Betreuung im Bereich Fitness, Gesundheit und Wohlbefinden.
Neben den allgemeinen Leistungen übernehmen Personal Trainer während des Trainings spezifische
Aufgaben, die darauf abzielen, das Training sicher und effektiv zu gestalten.
Allgemeine Leistungen
Das Leistungsangebot eines Personal Trainers ist vielseitig und wird auf die jeweiligen Bedürfnisse der
Kunden angepasst. Zu den typischen Leistungen zählen:
•
Krafttraining
: Unterstützung beim gezielten Aufbau von Muskelkraft und -
masse.
•
Ausdauertraining
: Förderung der kardiovaskulären Fitness für eine verbesserte
Leistungsfähigkeit.
•
Functional Training
: Training für alltagsnahe Bewegungsmuster, das Mobilität,
Stabilität und Kraft kombiniert.
•
Stressbewältigung
: Techniken zur Reduktion von Stress und Förderung des
mentalen Wohlbefindens.
•
Entspannungstraining
: Übungen zur Förderung von Ruhe und Gelassenheit.
•
Gesundheits
-
Check
: Erfassung des gesundheitlichen Status zur Anpassung des
Trainings an individuelle Bedürfnisse.
•
Zielgerichtete
Trainingsplanerstellung
: Entwicklung eines maßgeschneiderten
Trainingsplans.
•
Ernährungsberatung
: Unterstützung bei der Ernährungsoptimierung zur
Erreichung von Fitnesszielen.
•
Regelmäßige Verlaufsanalysen
: Überprüfung und Anpassung des Trainings, um
den Fortschritt sicherzustellen.
•
Individuelle Betreuung
: Intensive persönliche Betreuung, die eine enge
Kundenbindung fördert.
•
Flexible Trainingszeiten und
-
orte
: Anpassung an die Verfügbarkeiten und
Bedürfnisse des Kunden für mehr Flexibilität.
Diese Leistungen bieten eine umfassende Betreuung, die die Kunden nicht nur physisch, sondern auch
mental unterstützt und ihnen hilft, langfristig ihre Gesundheits- und Fitnessziele zu erreichen.
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17
Aufgaben während des Trainings
Während des Trainings übernimmt der Personal Trainer spezifische Aufgaben, um die Sicherheit,
Effizienz und Motivation der Kunden zu gewährleisten:
•
Korrigieren
: Beobachten und Anpassen der Bewegungen, um eine saubere und
sichere Ausführung zu gewährleisten.
•
Destabilisieren/Stabilisieren
: Einsatz von Stabilitätsübungen, um Balance und
Körperkontrolle zu fördern.
•
Positionierung
: Kommunikation auf Augenhöhe für eine bessere
Kundenbindung und Motivation.
•
Hands on
: Physische Hilfestellung, um die richtige Technik zu unterstützen.
•
Counting: Mitzählen der Wiederholungen, um den Fokus des Kunden auf die
Übung zu lenken.
•
Manual Resistance
: Manuelle Widerstandsunterstützung, um die Muskulatur
gezielt zu aktivieren.
•
Assisted Stretching
: Unterstützte Dehnübungen zur Verbesserung der
Flexibilität und Muskelentspannung.
•
Motivieren
: Positives Feedback und Ermutigung, um den Kunden zu
Höchstleistungen anzuspornen.
•
Zeit stoppen
: Überwachung der Trainingszeit für präzise und effiziente
Intervalle.
•
Intensität steuern
: Anpassung der Trainingsintensität an den jeweiligen
Leistungsstand und die Tagesform.
•
Spotting
: Sicherheitshilfe bei anspruchsvollen Übungen, um Verletzungen zu
vermeiden.
Diese Aufgaben tragen wesentlich dazu bei, dass das Training nicht nur sicher, sondern auch effektiv
und motivierend gestaltet ist. Durch die individuelle Betreuung und kontinuierliche Anpassung an die
Bedürfnisse der Kunden stellt der Personal Trainer sicher, dass jeder Kunde das Maximum aus jeder
Trainingseinheit herausholt.
2.6
Probetraining
Das Probetraining ist ein wichtiger Bestandteil des ersten Kontakts mit dem Kunden und ermöglicht ihm,
die Arbeitsweise des Trainers, die Räumlichkeiten und die Geräte kennenzulernen. Es bietet dem
Kunden einen realistischen Eindruck, wie das Training aussehen könnte, und gibt dem Trainer wertvolle
Einblicke in die körperlichen Voraussetzungen, Stärken und eventuelle Defizite des Kunden. Ein gut
strukturiertes Probetraining legt die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und zeigt dem
Kunden, wie das Training auf seine individuellen Ziele und Bedürfnisse abgestimmt werden kann.
Mögliche Inhalte des Probetrainings
Einführung:
•
Vorstellung der
Räumlichkeiten und
der genutzten
Geräte
, um dem Kunden die
Umgebung vertraut zu machen. Anschließend wird ein grober Ablauf des
Probetrainings skizziert, um Transparenz zu schaffen.
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18
•
Warm
-
Up
: Leichte Aufwärmübungen zur Vorbereitung des Körpers auf das
Training und zur Vermeidung von Verletzungen.
•
Mobilisationsübungen
: Diese Übungen geben einen ersten Einblick in eventuelle
Beweglichkeitsdefizite des Kunden und helfen dem Trainer, mögliche
Schwachstellen zu identifizieren.
•
Erwärmung
: Die Erwärmungsphase gibt einen ersten Eindruck von der
allgemeinen Leistungsfähigkeit des Kunden und dient als Grundlage für die
Planung des Trainings.
Hauptteil des Trainings:
•
Basis
-
Übungen
: Durchführung grundlegender Übungen, die variabel gestaltet
werden können, um die Intensität an das Leistungsniveau des Kunden
anzupassen.
•
Verknüpfung zu den Trainingszielen und
-
wünschen
: Die Übungen werden gezielt
auf die Ziele des Kunden abgestimmt, um ihm den Nutzen des Trainings für seine
persönlichen Ziele zu verdeutlichen.
•
Übungen auf individuelle Defizite ausrichten
: Anpassung der Übungen, um
spezifische Schwachstellen zu adressieren und das Training effektiv auf den
Kunden auszurichten.
•
Einblick ins technische Repertoire
: Vorstellung von 1–2 neuen Übungen, die dem
Kunden unbekannt sind, um ihn für die Vielfalt der Trainingsmöglichkeiten zu
begeistern.
•
Cool Down
: Der Abschluss des Probetrainings umfasst entspannende Elemente
wie Assisted Stretching und Entspannungsübungen, um die Muskeln zu lockern
und dem Kunden ein angenehmes Ende der Einheit zu bieten.
Durch diese Struktur kann das Probetraining den Kunden von der Kompetenz des Trainers überzeugen
und ihm zeigen, wie das Training speziell auf ihn zugeschnitten wird. Es ist eine ideale Gelegenheit, um
den Kunden zu motivieren und ihm das Vertrauen zu geben, dass er mit einem gezielten, professionellen
Training seine persönlichen Ziele erreichen kann.
2.7
Do's
&
Dont's
Der Erfolg im Personal Training hängt nicht nur von Fachwissen und Trainingstechniken ab, sondern
auch von professionellem Verhalten und einer wertschätzenden Kundenbeziehung. Hier sind einige
wichtige Do's und Don'ts, die helfen, ein positives und erfolgreiches Trainingserlebnis zu schaffen und
die langfristige Kundenbindung zu fördern.
Do's
•
Individuelle Trainingspläne erstellen
: Jeder Kunde ist einzigartig und hat
spezifische Bedürfnisse und Ziele. Ein individuell abgestimmter Trainingsplan
zeigt Professionalität und Wertschätzung.
•
Aktives Zuhören
: Gehe auf die Anliegen des Kunden ein und achte aufmerksam
auf seine Bedürfnisse und Wünsche.
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19
•
Vollständige Aufmerksamkeit schenken
: Während der Trainingseinheit sollte
der Kunde im Mittelpunkt stehen. Schalte das Handy in den Flugmodus, um
Ablenkungen zu vermeiden.
•
Fortbildung
: Die Fitnessbranche entwickelt sich ständig weiter. Regelmäßige
Fortbildungen halten das Wissen aktuell und zeigen Engagement und
Professionalität.
•
Berührung abklären
: Kläre mit dem Kunden ab, ob Hands-on-Unterstützung in
Ordnung ist, um sicherzustellen, dass er sich wohlfühlt und respektiert fühlt.
Don'ts
•
Gleiches Training für alle
Kunden: Jeder Kunde hat unterschiedliche
Voraussetzungen und Ziele. Ein „Einheits-Training“ ist nicht zielführend und
kann sogar demotivierend wirken (außer, wenn ausdrücklich gewünscht).
•
Das Training als eigene Einheit nutzen
: Personal Training sollte sich auf den
Kunden konzentrieren. Nutze die Zeit nicht, um selbst zu trainieren.
•
Mit dem Kunden flirten
: Eine professionelle Distanz ist wichtig, um die Grenzen
des Personal Trainings zu wahren und eine vertrauensvolle Beziehung zu
erhalten.
•
Respektloses Auftreten
: Ein höfliches, respektvolles Verhalten gegenüber dem
Kunden ist unerlässlich und bildet die Basis für eine erfolgreiche
Zusammenarbeit.
•
Intime Berührungen vermeiden
: Jede Art von Berührung sollte im Rahmen des
Trainingszwecks und in einem respektvollen Rahmen bleiben.
•
Tätigkeiten ohne Bezug zum Training vermeiden
: Bleibe während der
Trainingseinheit bei den relevanten Aufgaben und vermeide Tätigkeiten, die
nicht im direkten Zusammenhang mit dem aktuellen Training stehen.
2.8
Verkaufsprozess
und Verkaufs
gespräch
Nach einem erfolgreichen Probetraining und ersten positiven Eindrücken folgt das Verkaufsgespräch, in
dem der weitere Verlauf der Zusammenarbeit besprochen wird. Bei beidseitigem Interesse werden in
diesem Gespräch die Rahmenbedingungen und Konditionen geklärt. Ein souveränes Auftreten ist dabei
unerlässlich, besonders wenn es um finanzielle Absprachen geht. Hier sind einige Grundsätze und
Überlegungen, die dabei helfen, sicher und professionell aufzutreten.
Wichtige Überlegungen vor dem Verkaufsgespräch
Vor dem Verkaufsgespräch sollte sich ein Personal Trainer über folgende Punkte klar sein:
•
Selbstwert und Leistungswert
: Wie viel ist die eigene Dienstleistung wert, und
wie lässt sich dieser Wert dem Kunden vermitteln?
•
Leistungsdarstellung
: Wie werden die Qualifikationen, Erfahrungen und
Vorteile klar und überzeugend präsentiert?
•
Wert für den Kunden
: Was ist dem Kunden die Dienstleistung wert, und wie
kann dieser Wert durch nachvollziehbare Argumente verdeutlicht werden?
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20
•
Machbarkeit und Bedingungen
: Sind die angebotenen Leistungen und die
Rahmenbedingungen realisierbar? Kann von dieser Tätigkeit finanziell profitiert
werden?
Preise und Konditionen kommunizieren
Die klare und überzeugende Kommunikation von Preisen und Konditionen ist entscheidend, um beim
Kunden Vertrauen zu schaffen und den Wert der angebotenen Leistung zu verdeutlichen.
•
Preise klar kommunizieren
: Die Preise sollten auf Grundlage der angebotenen
Leistung festgelegt und klar kommuniziert werden, ohne Spielraum für
Verhandlungen zu lassen.
•
Modulare Preisgestaltung
: Ein modulares Preissystem (z. B. vergünstigte
Stundensätze bei 10er-Karten) bietet Flexibilität und Anreize für den Kunden.
•
Positives Gefühl vermitteln
: Der Kunde sollte das Gespräch mit einem positiven
Gefühl verlassen und überzeugt sein, eine wertvolle Entscheidung getroffen zu
haben.
Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB)
Es ist ratsam, allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) als Grundlage für den Vertrag zu verwenden.
Diese sind im Streitfall wichtig und sollten professionell und kundenfreundlich gestaltet sein.
Zu den relevanten Punkten in den AGB zählen:
•
Leistungsgegenstand
•
Trainingsplanung und Trainingszeiten
•
Haftung und Zahlungsbedingungen
•
Verhinderung und Ausfallregelungen
•
Datenschutz und Geheimhaltung
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21
Der Verkaufsprozess
Ein erfolgreicher Verkaufsprozess umfasst vier Phasen:
1
Erster Kontakt
: Der erste Eindruck ist entscheidend. Freundliches Auftreten und
klare Kommunikation wecken Interesse und Vertrauen.
2
Bedarfsanalyse
: Durch gezielte Fragen erfährt der Trainer die Bedürfnisse, Ziele
und Erwartungen des Kunden.
3
Präsentation des Angebots
: Die Stärken und der Mehrwert des Trainingsangebots
werden hervorgehoben und auf die Wünsche des Kunden abgestimmt.
4
Abschluss
: Ziel ist es, den Kunden von der Dienstleistung zu überzeugen und eine
Vereinbarung zu treffen.
Abbildung 3: Der Verkaufsprozess
Tipps für das Verkaufsgespräch
Ein gelungenes Verkaufsgespräch beginnt mit einer offenen Atmosphäre und einer ehrlichen
Bedarfsanalyse, um die Wünsche und Ziele des Kunden klar zu verstehen und gezielt darauf einzugehen.
•
Kennenlernen und Atmosphäre schaffen
: Fragen zu beruflichem Hintergrund,
Freizeit und Zielen lockern die Atmosphäre und fördern das Vertrauen.
•
Gezielte Bedarfsanalyse
: Finde heraus, was den Kunden motiviert und welche
Ziele er erreichen möchte.
•
Ehrliche Zielsetzung
: Erkläre, was realistisch erreichbar ist, und passe die Ziele
gegebenenfalls an die Möglichkeiten an.
•
Unterlagen bereithalten
: Eine ansprechende Präsentationsmappe mit klar
strukturierten Angeboten und Preisen unterstützt den Abschluss.
Das Verkaufsgespräch ist eine wichtige Gelegenheit, um den Kunden von der Qualität der Dienstleistung
zu überzeugen und eine vertrauensvolle Grundlage für die Zusammenarbeit zu schaffen. Ein
strukturierter, empathischer und selbstsicherer Auftritt ist dabei entscheidend. Ein Beispiel eines
Verkaufsgesprächs haben wir als Video in unserem Online-Kurs bereitgestellt.
Fragen & Antworten
–
Interview mit einem Personal Trainer
Da eine theoretische Vermittlung in einem so praktischen Bereich wie dem Personal Training oft
herausfordernd ist, haben wir einen unserer Dozenten Steffen, der zugleich erfahrener Personal Trainer
ist, zu einer Fragerunde eingeladen. In diesem Gespräch beleuchten wir alle möglichen Fragen, die im
Vorfeld eines Erst- oder Verkaufsgesprächs auftreten können. Unter anderem geht es dabei um den
Umgang mit Kommunikationsbarrieren, das Erkennen und Klären von unklaren Zielen, die Vermeidung
einer Überforderung des Kunden, die Auseinandersetzung mit falschen Erwartungshaltungen, die
Sensibilität gegenüber Preisfragen sowie den Umgang mit Unsicherheiten des Trainers. Steffen teilt
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wertvolle Einblicke aus der Praxis und erläutert, worauf zukünftige Personal Trainer besonders achten
sollten. Das vollständige Video findet ihr in unserem Online-Kurs.
Recap
Recap
Hier noch mal zusammengefasst, was du in dieser Lektion gelernt hast:
•
Der zeitliche Ablauf eines Erstgesprächs ist dir bekannt.
•
Du kannst die Relevanz eines Gesundheitsfragebogens im Personal Training
erklären.
•
Die vier Kommunikationsebenen (nach Schulz von Thun) und deren Bedeutung im
Personal Training können von dir benannt werden.
•
Du kannst die Leistungen und Aufgaben eines Personal Trainers während des
Trainings nennen.
•
Du bist in der Lage, ein Probetraining zu planen und durchzuführen.
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23
3
ANAMNESE UND ZIELE
Lernziele
Lernziele
Nach Bearbeitung diese
r Lektion
bist du in der Lage,
…
•
…
den Ablauf eines Anamnesegesprächs im Personal Training zu kennen und du
kannst dieses begründen und durchführen.
•
…die wichtigsten Inhalte eines Anamnesebogens zu benennen.
•
…Zielformulierung im Personal Training nach der SMART-Formel anzuwenden.
•
…die Relevanz von Zielvereinbarungen und deren Nutzen für die Motivation und
den Trainingserfolg zu erläutern.
3.1
Anamnesegespräch
Das Anamnesegespräch bildet die Grundlage für ein individuelles und erfolgreiches Personal Training.
Um die Betreuung des Kunden optimal zu gestalten, empfiehlt es sich, einen Anamnesebogen zu
verwenden, der alle wichtigen Informationen strukturiert erfasst. Dazu gehören persönliche Daten, die
aktuelle Situation, konkrete Zielsetzungen, der gewünschte Zeitrahmen, bisherige Trainingserfahrungen
sowie mögliche Einschränkungen wie Verletzungen oder Erkrankungen.
Bedeutung der Anamnese
Die Anamnese ist eine professionelle Methode, die aus der Medizin bekannt ist und beim Erstkontakt
mit dem Kunden durchgeführt wird. Sie dient der systematischen Erfragung potenziell relevanter
Informationen und bietet eine wertvolle Grundlage für die Planung und Steuerung des Trainings. Neben
ihrem praktischen Nutzen zur Festlegung von Zielen und Rahmenbedingungen reduziert sie das Risiko
von Beratungs- oder Planungsfehlern und dient zugleich der rechtlichen Absicherung des Trainers oder
der Einrichtung (z. B. Fitnessstudio).
Um eine fundierte Basis für das Training zu schaffen, sollten folgende Aspekte berücksichtigt werden:
•
Physiologische Aspekte
o
Leistungsniveau (z. B. sportmotorische Testverfahren und Diagnostik)
o
Blutdruck
o
Herzfrequenz
o
Körpergröße und -gewicht
o
Körperfettanteil
o
Sportliche Vorerfahrungen
•
Pathophysiologische Aspekte
o
Physisches und psychisches Wohlbefinden
o
Bestehende oder zurückliegende Erkrankungen
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24
o
Akute oder vergangene Einschränkungen
o
Durchgeführte oder bevorstehende Operationen
o
Medikamenteneinnahme (z. B. Beta-Blocker, die den PWC-Test beeinflussen können)
o
Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum oder Ernährungsgewohnheiten
•
Ziele des Kunden
o
Kurz-, mittel- und langfristige Ziele
o
Wünsche und Trainingsvorlieben
•
Weitere Inhalte
o
Persönliche Daten (z. B. Alter und Kontaktdaten)
o
Motivationslage (intrinsisch oder extrinsisch)
o
Berufliche und familiäre Situation (Wie viel Zeit steht für das Training zur Verfügung?)
Ablauf des Anamnesegesprächs
In diesem Abschnitt findest du ein praxisnahes Beispiel, wie ein solches Gespräch ablaufen kann. Dabei
handelt es sich lediglich um eine Orientierung, die dir helfen soll, die Struktur und den Ablauf eines
Anamnesegesprächs besser zu verstehen. Um sicherer in der Durchführung zu werden, empfehlen wir
dir, das Gespräch mit Freunden oder Familienmitgliedern zu üben. So kannst du gezielt an deiner
Gesprächsführung arbeiten und ein Gefühl dafür entwickeln, wie du individuell auf unterschiedliche
Kundenbedürfnisse eingehen kannst.
Abbildung 4 Beispiel der Gesprächsthemen
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25
Hier eine Beispiel Konversation eines Gesprächs:
Trainer:
Hi Paul, schön, dass du heute da bist! Wir machen jetzt ein Anamnesegespräch, um alles
Wichtige über deine Ziele, deinen Gesundheitszustand und deine Wünsche herauszufinden. So kann ich
ein Trainingsprogramm erstellen, das perfekt auf dich abgestimmt ist. Bist du bereit?
Kunde:
Ja, klingt gut.
Persönliche Daten und berufliche Situation
Trainer:
Fangen wir mal mit den Basics an. Kannst du mir bitte dein Alter und deinen Beruf
sagen?
Kunde:
Klar. Ich heiße Paul, bin 38 Jahre alt und arbeite im Schichtdienst als Krankenpfleger.
Trainer:
Schichtdienst ist sicher herausfordernd. Wie viel Zeit kannst du denn wöchentlich für das
Training einplanen?
Kunde:
So drei bis vier Stunden, je nachdem, wie die Schichten liegen.
Ziele und Wünsche
Trainer:
Was möchtest du mit dem Training erreichen? Möchtest du fitter werden, Muskeln aufbauen,
abnehmen oder vielleicht Schmerzen lindern?
Kunde:
Abnehmen ist mein Hauptziel, und ich will fitter werden. Außerdem habe ich oft
Rückenschmerzen.
Trainer:
Verstanden. Hast du schon mal versucht, diese Ziele alleine zu erreichen?
Kunde:
Ja, ich war vor ein paar Jahren im Fitnessstudio. Aber nach ein paar Monaten habe ich
aufgehört – irgendwie hat mir die Motivation gefehlt.
Aktueller Gesundheitszustand
Trainer:
Gibt es gesundheitliche Beschwerden, die ich wissen sollte?
Kunde:
Ja, ich habe manchmal Schmerzen im unteren Rücken. Dafür nehme ich gelegentlich ein leichtes
Schmerzmittel. Sonst ist alles okay.
Trainer:
Bist du aktuell in ärztlicher Behandlung oder nimmst regelmäßig Medikamente?
Kunde:
Ich hatte Physiotherapie für meinen Rücken, aber die ist inzwischen abgeschlossen. Außer dem
Schmerzmittel nehme ich nichts.
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Aktuelle Aktivität
Trainer:
Und wie sieht es aktuell mit Sport aus?
Kunde:
Momentan mache ich eigentlich nichts. Ab und zu gehe ich spazieren, aber das war’s.
Trainer:
Kein Problem, dann starten wir mit einem lockeren Programm, das wir langsam steigern. So
bekommst du erstmal wieder ein gutes Gefühl für Bewegung.
Trainingspräferenzen
Trainer:
Gibt es etwas, das dir besonders gefällt oder gar nicht gefällt? Drinnen, draußen, mit Geräten,
ohne?
Kunde:
Draußen trainieren finde ich gut. Aber ich bin für alles offen – da lasse ich mich überraschen.
Fazit
Eine umfassende Anamnese, die sowohl körperliche als auch psychische Aspekte erfasst, dient nicht nur
der optimalen Trainingssteuerung, sondern kann auch rechtliche Absicherung bieten.
Im Anamnesegespräch liegt in der Regel die Grundlage für jedes Personal Training. Vor Beginn der
Tätigkeit als Personal Trainer empfiehlt es sich, einen Anamnesebogen zu erstellen, der alle relevanten
Aspekte für die Arbeit erfasst. Zu den typischen Themen gehören:
•
Persönliche Daten
•
Aktuelle Situation
•
Zielsetzungen
•
Zeitrahmen
•
Bisherige Erfahrungen
•
Einschränkungen (z. B. Verletzungen oder Erkrankungen)
Für das Anamnesegespräch sollte ausreichend Zeit eingeplant werden, da das Vertrauensverhältnis
zwischen Trainer und Kunde oft enger ist als im klassischen Fitnesstraining. Der Anamnesebogen im
Anhang kann als Kopiervorlage genutzt werden, doch meist ist es sinnvoller, einen individuellen Bogen
zu gestalten, der den spezifischen Anforderungen entspricht. Die genannten Themenfelder dienen hier
als Orientierung.
Offen formulierte Fragen ermöglichen den Kunden, ausführliche Antworten zu geben und
gegebenenfalls zusätzliche, relevante Informationen bereitzustellen. Das Ziel der Fragen ist es, alle für
die Zusammenarbeit relevanten Informationen zu erhalten und dem Kunden zu vermitteln, dass seine
individuellen Wünsche und Gegebenheiten von hoher Bedeutung sind.
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3.2
Anamnesebogen
Hier ein Beispiel für einen Anamnesebogen aus der Praxis, der individuell auf die jeweiligen
Kundenbedürfnisse und das eigene Portfolio angepasst werden kann. In unserem Online-Kurs steht
dieses Beispiel zudem als PDF-Datei zum Download bereit.
Abbildung 5 Beispiel Anamnesebogen Seite 1
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Abbildung 6 Beispiel Anamnesebogen Seite 2
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29
3.3
Ziel
e
Was genau sind Ziele und wie werden diese definiert?
•
Ein Ziel bezeichnet einen in der Zukunft liegenden, gegenüber dem jetzigen
Zeitpunkt veränderten und erstrebenswerten Zustand, den eine Person oder
Gruppe durch Handeln oder Unterlassen erreichen möchte.
•
Ziele dienen als Orientierung und Motivation, indem sie dem Handeln eine klare
Richtung geben und die Auswahl sowie den Einsatz von Ressourcen steuern.
Genau darum geht es Im Personal Training: Menschen individuell und gezielt bei der Erreichung ihrer
persönlichen Fitnessziele zu unterstützen. Die Wünsche und Erwartungen, mit denen Kunden an
Personal Trainer herantreten, sind vielfältig. Die folgenden Zielsetzungen basieren auf Rückmeldungen
von kooperierenden Fitnessstudios sowie den Erfahrungen unserer Dozenten-Teams. Sie sind nicht
wissenschaftlich belegt und entstammen keiner Studie, bieten jedoch einen praxisnahen Einblick in die
häufigsten Anliegen, die im Training formuliert werden.
•
Gewichtsreduktion und Körperformung
Ein großer Teil der Kundinnen und Kunden wünscht sich Unterstützung bei der
Gewichtsreduktion oder einer besseren Körperformung. Ziel ist es häufig,
überschüssiges Körperfett zu reduzieren und gleichzeitig die Muskulatur zu
definieren, um die persönliche Ästhetik zu verbessern. Personal Trainer
entwickeln hierfür abgestimmte Programme, die gezielte Übungen und
Empfehlungen zu einer gesunden Ernährung kombinieren, um nachhaltige
Ergebnisse zu erzielen.
•
Muskelaufbau und Kraftsteigerung
Viele Sportler möchten ihre Muskelmasse erhöhen oder ihre Kraft verbessern.
Dies erfordert präzise abgestimmte Trainingspläne, die den Fortschritt fördern
und die individuelle Leistungsfähigkeit berücksichtigen. Personal Trainer helfen
dabei, effektive Übungen auszuwählen und diese in einer Weise zu gestalten, die
optimal auf die Ziele und Fähigkeiten der Kundinnen und Kunden abgestimmt
sind.
•
Verbesserung der Beweglichkeit und allgemeinen Fitness
Ein weiteres häufiges Anliegen ist die Verbesserung der allgemeinen Fitness,
einschließlich Beweglichkeit, Koordination und Ausdauer. Personal Trainer
erstellen individuelle Programme, die verschiedene Trainingsmethoden
kombinieren, um die Bewegungsqualität und die Belastbarkeit zu erhöhen. Diese
Ziele sind insbesondere für Menschen interessant, die ihre Fitness umfassend
steigern möchten, sei es für den Alltag oder sportliche Aktivitäten.
•
Motivation und Regelmäßigkeit
Viele Menschen suchen im Personal Training nicht nur Anleitung, sondern auch
eine zuverlässige Quelle für Motivation und Struktur. Der Trainer sorgt dafür,
dass die Kundinnen und Kunden ihre gesteckten Ziele im Blick behalten und
kontinuierlich daran arbeiten. Durch die persönliche Betreuung entsteht eine
Verbindlichkeit, die die regelmäßige Teilnahme am Training fördert und
langfristige Erfolge ermöglicht.
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•
Verletzungsprävention
Die korrekte Ausführung von Übungen ist entscheidend, um Verletzungen zu
vermeiden – ein Ziel, das viele Kundinnen und Kunden im Personal Training
verfolgen. Ein erfahrener Personal Trainer achtet darauf, dass die
Bewegungsabläufe sauber und effektiv durchgeführt werden, und berücksichtigt
dabei mögliche Vorerkrankungen oder körperliche Einschränkungen. Dies hilft
nicht nur, das Verletzungsrisiko zu minimieren, sondern unterstützt auch eine
langfristig gesunde körperliche Entwicklung.
•
Stressabbau und mentale Gesundheit
Für einige Menschen ist das Training mit einem Personal Trainer eine
Möglichkeit, Stress abzubauen und ihre mentale Gesundheit zu fördern.
Körperliche Aktivität kann dabei helfen, innere Spannungen zu lösen und das
allgemeine Wohlbefinden zu steigern. Der enge Austausch mit dem Trainer
schafft zusätzlich ein unterstützendes Umfeld, das auch emotionalen Belastungen
entgegenwirken kann.
Zielvereinbarungen
Bevor das eigentliche Training beginnt, sollten die individuellen Ziele des Kunden klar formuliert und
schriftlich festgehalten werden (siehe Anamnesegespräch). Der Erfolg der Zusammenarbeit orientiert
sich an der Erreichung dieser Ziele innerhalb des vereinbarten Zeitrahmens. Sollte ein Ziel in Hinblick
auf das Fachwissen des Trainers unrealistisch erscheinen, ist es ratsam, den Kunden darauf hinzuweisen
und eine realistische Zielsetzung zu erarbeiten. Eine klare, fundierte Zielsetzung hilft, den Weg zum
Erfolg besser zu planen und den Kunden durch nachvollziehbare Schritte zu motivieren.
Das S.M.A.R.T.-Prinzip bietet sich zur Definition von Zielen an, da es hilft, Ziele präzise und messbar zu
gestalten. SMART steht für:
Abbildung 7: Die SMART-Formel
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Durch das Festlegen von Zwischenzielen kann die Fortschrittskontrolle erleichtert und der Trainingsplan
flexibel an aktuelle Entwicklungen angepasst werden. Dies sorgt nicht nur für Motivation, sondern auch
für eine langfristige Zufriedenheit des Kunden.
Beispiele für “smarte“ Ziele:
Beispiel
-
Verbesserung der Flexibilität:
Formuliertes Ziel:
„Ich möchte in acht Wochen meine Flexibilität so weit verbessern, dass ich im Stehen
mit gestreckten Beinen meine Zehen berühren kann, um Rückenschmerzen zu reduzieren."
•
Spezifisch:
Erreichen der Fähigkeit, die Zehen im Stehen mit gestreckten
Beinen zu berühren.
•
Messbar:
Wöchentliche Flexibilitätstests.
•
Attraktiv:
Reduktion von Rückenschmerzen und Verbesserung der Beweglichkeit.
•
Realistisch:
Mit regelmäßigem Dehnungstraining erreichbar.
•
Terminiert:
Innerhalb von acht Wochen.
Beispiel
-
Gewichtsreduktion:
Formuliertes Ziel
: „Ich möchte in den nächsten zehn Wochen fünf Kilogramm abnehmen, um mein
Wohlbefinden zu steigern."
•
Spezifisch:
Reduktion des Körpergewichts um fünf Kilogramm.
•
Messbar:
Wöchentliche Gewichtskontrollen.
•
Attraktiv:
Verbesserung des Wohlbefindens und der Gesundheit.
•
Realistisch:
Mit einer Kombination aus Ernährungsumstellung und regelmäßiger
Bewegung erreichbar.
•
Terminiert:
Innerhalb von zehn Wochen.
Beispiel
-
Muskelaufbau:
Formuliertes Ziel:
„Ich möchte in den nächsten 16 Wochen drei Kilogramm Muskelmasse aufbauen, um
meine Kraft und Körperkomposition zu verbessern."
•
Spezifisch:
Erhöhung der Muskelmasse um 3 Kilogramm.
•
Messbar:
Körperanalyse alle vier Wochen.
•
Attraktiv:
Verbesserung der Körperkomposition und Kraft.
•
Realistisch:
Durch gezieltes Krafttraining und angepasste Ernährung erreichbar.
•
Terminiert:
Innerhalb von 16 Wochen.
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32
Recap
Recap
Hier noch mal zusammengefasst, was du in dieser Lektion gelernt hast:
•
Du kannst den Ablauf eines Anamnesegesprächs im Personal Training erklären und
ein Gespräch durchführen.
•
Die wichtigsten Inhalte eines Anamnesebogens können von dir benannt werden.
•
Du kannst die SMART-Formel zur Zielformulierung im Personal Training anwenden.
•
Die Relevanz von Zielvereinbarungen und deren Nutzen für die Motivation und den
Trainingserfolg sind dir bekannt.
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4
ERMITTLUNG UND DOKUMENTATION DER KÖRPERZUSAMMENSETZUNG
Lernziele
Lernziele
Nach Bearbeitung diese
r Lektion
bist du in der Lage
folgende Dinge zu tun:
•
Verschiedene Methoden zur Ermittlung der Körperzusammensetzung zu nennen.
•
Das Taille-Hüft-Verhältnis zu berechnen und dessen Aussagekraft hinsichtlich
Gesundheitsrisiken zu erklären.
•
Die Vor- und Nachteile des Broca-Index und des BMI zu nennen.
•
Die Vorgehensweise bei der Calipometrie beschreiben und durchzuführen.
•
Die Vorzüge und Einschränkungen der bioelektrischen Impedanzanalyse und
herkömmlicher Körperfettwaagen zu erklären.
•
Die Ergebnisse der Methoden zu dokumentieren und für die individuelle
Trainingsplanung zu nutzen.
Ein häufiges Ziel von Kunden, die die Unterstützung eines Personal Trainers suchen, ist der Wunsch, die
Körperzusammensetzung zu verändern. Um diese zu analysieren und konkrete Empfehlungen zu geben,
stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Im Folgenden werden einige gängige und für das
Personal Training geeignete Verfahren vorgestellt. Zu den Methoden zur Ermittlung der
Körperzusammensetzung zählen der
Broca
-
Index
, der
Body Mass Index (BMI)
, die
bioelektrische
Impedanzanalyse (BIA)
sowie die
Hautfaltenm
essung mittels Caliper
(Calipometrie)
.
Zudem ist die
Berechnung des Grundumsatzes von Bedeutung für weiterführende Empfehlungen.
Diese Verfahren unterscheiden sich hinsichtlich des Zeitaufwandes, der Genauigkeit, der Kosten und
den notwendigen Qualifikationen. Die meisten Methoden konzentrieren sich auf die Bestimmung des
Körperfettanteils, aus dem dann weitere Parameter berechnet werden können.
Letztlich sollte der Personal Trainer die Methode auswählen, die den individuellen Anforderungen zur
Bestimmung der Körperzusammensetzung am ehesten entspricht.
4.1
Taille
-
Hüft
-
Verhältnis
Bei dieser Methode wird nicht der Körperfettanteil an sich bestimmt, sondern die Körperfettverteilung.
Der Wert errechnet sich, indem der Umfang der Taille durch den Umfang der Hüfte dividiert wird. Der
Umfang der Taille wird im Stehen an der schmalsten Stelle gemessen. Diese befindet sich in der Regel
auf Höhe des Bauchnabels. Der Hüftumfang wird hingegen an der breitesten Stelle gemessen. Diese ist
meist auf Höhe des Beckenknochens zu finden. Als gesund gilt ein Wert von kleiner gleich 0,8 bei Frauen
und kleiner gleich 0,9 bei Männern. Der Wert gibt außerdem an, inwieweit die Körperfettverteilung das
Risiko u.a. von Bluthochdruck, Diabetes und Herzkreislauf-Erkrankungen erhöht. Dafür findet eine
Unterteilung in einen sogenannte "Apfeltyp" und "Birnentyp" statt. Lagert sich das Körperfett
überwiegend um die Taille an, wird von einem "Apfeltyp" gesprochen. Menschen mit einer derartigen
Körperfettverteilung haben ein deutlich erhöhtes Risiko für die Erkrankung an einer der genannten
Krankheiten. Das liegt u.a. daran, dass sich die Fettzellen nicht nur unterhalb der Haut befinden, sondern
beispielsweise auch in der Leber. Menschen, bei denen sich das Körperfett vermehrt in organfernen
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34
Regionen wie den Beinen oder das Gesäß anlagert, die folglich als "Birnentyp" eingestuft werden, haben
ein geringeres Risiko für die Erkrankung an Bluthochdruck etc.
Abbildung 8: Taille-Hüft-Verhältnis (https://www.elle.de/bmi-berechnen-taille-hueft-verhaeltnis)
4.2
Broca Index
Der Broca-Index war einst ein gängiges und einfaches Verfahren zur Bestimmung des Normalgewichts.
Der Wert wird durch eine einfache Formel berechnet:
Normalgewicht in kg
=
Körpergröße
(
in cm
)
-
100 (
cm
)
Von diesem Wert wurde typischerweise 10-15 Prozent abgezogen, um das Idealgewicht zu ermitteln.
Da der Broca-Index jedoch keine Aussagen über die Körperzusammensetzung erlaubt, findet er heute
kaum noch Anwendung. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass alters- und geschlechtsspezifische
Unterschiede unberücksichtigt bleiben.
4.3
Body Mass Index
Eine weitere einfache und schnelle Methode zur vermeintlichen Bestimmung des Körperfettanteils ist
die Berechnung des Body Mass Index (BMI). Dieses weltweit genutzte Maß basiert ausschließlich auf
Körpergewicht und Körpergröße und berücksichtigt weder Geschlecht noch Alter. Dies führt zu einigen
Schwächen in der Aussagekraft, insbesondere in Bezug auf die tatsächliche Körperzusammensetzung.
Der BMI unterscheidet nicht zwischen Fettmasse, Muskelmasse oder Knochendichte. Muskulöse
Sportler können daher fälschlicherweise als übergewichtig eingestuft werden, obwohl ihr hoher BMI
durch das zusätzliche Gewicht der Muskelmasse bedingt ist und keine gesundheitlichen Risiken
impliziert. Ebenso kann eine hohe Knochendichte den BMI erhöhen, ohne auf ein ungesundes
Körpergewicht hinzudeuten.
퐵퐵퐵
=
퐾
ö
푟푟푟푟푟푟푟푟푟ℎ푡
(
푘
푟
)
∶퐾
ö
푟푟
푟푟푟푟
öß
푟
(
푚
²
)
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35
Abhängig vom Alter gelten die folgenden Werte als ideal:
Tabelle 2: Klassifizierung BMI-Werte, (WHO, 2000), eigene Darstellung
Klassifizierung
BMI
-
Wert (kg/m²)
Untergewicht
< 18,5
Normalgewicht 18,5 – 24,9
Übergewicht
25,0 – 29-9
Adipositas Grad I 30,0 – 34,9
Adipositas Grad II
35,0 – 39,9
Adipositas Grad III > 40,0
Abbildung 9 World Health Organisation, 2022
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36
4.4
Calipometrie
Die Hautfaltenmessung (Calipometrie) ist zwar zeitaufwendiger als die zuvor genannten Methoden und
erfordert einige Vorkenntnisse, jedoch überwiegen ihre Vorteile deutlich. Als für das Personal Training
gut geeignete und aussagekräftige Methode wird sie hier ausführlicher behandelt. Für die Messung wird
eine Hautfaltenmesszange (Caliper) verwendet, um die Dicke festgelegter Hautfalten am Körper zu
ermitteln. Für valide Ergebnisse ist der Einsatz eines geeichten Calipers mit Messfeder unerlässlich.
Da ein Großteil des Körperfetts subkutan (unter der Haut) gespeichert ist, erlaubt die
Hautfaltenmessung eine genaue Bestimmung des Körperfettanteils und der Magermasse. Zudem
können die Messpunkte wichtige Einblicke in den Hormonhaushalt, Schlafdefizite,
Blutzuckerschwankungen, das Testosteronlevel, den Stoffwechsel und die genetische
Kohlenhydrattoleranz geben.
Um Messungen zu unterschiedlichen Messzeitpunkten miteinander vergleichen zu können, sollten
potentielle Störvariablen so gut es geht ausgeschlossen werden. Daher ist eine wichtige Bedingung, die
Messungen möglichst zur selben Tageszeit und in demselben „Zustand“ durchzuführen, z. B. auf
nüchternen Magen eine Stunde nach dem Aufstehen um 09:00 Uhr. Nach intensiven Sporteinheiten
oder Saunabesuchen sollte ebenfalls nicht gemessen werden, da diese den Wasserhaushalt
beeinflussen. Bei Frauen sollten zyklusbedingte Schwankungen im Wasserhaushalt berücksichtigt
werden.
Es gibt verschiedene Verfahren, die sich in der Anzahl der gemessenen Hautfalten unterscheiden – von
drei bis hin zu maximal 14. Mehr Messpunkte führen in der Regel zu präziseren Ergebnissen. Eine
gängige Methode zur Körperzusammensetzung ist die Jackson-Pollock-Gleichung mit drei oder sieben
Messpunkten. Die Messpunkte variieren je nach Geschlecht:
Drei
-
Falten
-
Messung
•
Männer
: Brust, Bauch, Oberschenkel
•
Frauen
: Trizeps, Hüfte (Suprailiakalfalte), Oberschenkel
Sieben
-
Falten
-
Messung
•
Männer/Frauen
: Achsel, Brust, Bauch, unteres Schulterblatt, Hüfte, Trizeps,
Oberschenkel
In dieser Ausbildung wird die Drei-Falten-Messung genauer betrachtet (Jackson & Pollack, 1978).
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37
Lage der Messfalten bei Frauen:
•
Trizeps
: Mitte des Muskels, vertikal gemessen
•
Hüftfalte
: Diagonale Hautfalte, gemessen oberhalb des Beckenkamms (seitlich
am Rumpf).
•
Oberschenkel:
vertikale Hautfalt gemessen auf der Vorderseite des
Oberschenkels, mittig zwischen Hüftgelenk und Kniescheibe.
Abbildung 10 Messpunkte Frauen (mit freundlicher Genehmigung von evoletics®)
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38
Lage der Messfalten bei Männern:
•
Brust
: Mittig zwischen Achsel und Brustwarze, entlang der Verbindungslinie
gemessen
•
Bauchfalte
: gemessen etwa 2 cm rechts neben dem Bauchnabel.
•
Oberschenkel
: Mitte zwischen Knie und Hüfte, vertikal gemessen
Abbildung 11 Messpunkte Männer (mit freundlicher Genehmigung von evoletics®)
Die Dreifaltenmessung dient als Grundlage zur Berechnung der Körperdichte. Dabei werden die
gemessenen Hautfaltenwerte addiert und anschließend in eine Formel eingesetzt, die Alter und
Geschlecht berücksichtigt, um die Körperdichte zu bestimmen.
Video zu „Caliper
–
berechne deinen Körperfettanteil“
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39
Weitere Formeln, die für Personal Trainer von Interesse sein könnten, sind:
•
Lohmann-Gleichung (drei Messfalten)
•
Gleichung des National Health Center of America (vier Messfalten)
•
Parillo-Gleichung (neun Messfalten)
Die verschiedenen Methoden unterscheiden sich nicht nur in der Anzahl der Messfalten, sondern auch
in der Position, die um wenige Zentimeter variieren kann. Zudem ist auf die Messrichtung der Falten
(horizontal, vertikal, diagonal) zu achten. Für valide Ergebnisse sollte die Formel an ein
Probandenkollektiv angepasst sein, das hinsichtlich Alter, Geschlecht und Ethnizität zur messenden Die
hier verwendete Jackson-Pollock-Formel wurde ursprünglich für Personen europäischer Abstammung
entwickelt. Für Menschen afrikanischer und asiatischer Herkunft existieren spezifische Anpassungen:
Bei Personen afrikanischer Abstammung werden die Werte tendenziell etwas geringer, bei Personen
asiatischer Abstammung etwas höher angesetzt.
Heutzutage gibt es auch Online-Tools wie „eaglefit“, die eine einfache Berechnung des Körperfettanteils
über Hautfaltenmessungen ermöglichen. Es ist jedoch darauf zu achten, dass die verwendete Formel
für die jeweilige Personengruppe geeignet ist.
4.5
Körperfettwaage
und Bioelektrische Impedanz
-
Analyse
(BIA)
Die Bestimmung des Körpergewichts und des vermeintlichen Körperfettanteils mittels einer
herkömmlichen Körperfettwaage ist eine einfache und kostengünstige Methode, da weder hohe
Anschaffungskosten noch eine spezielle Weiterbildung erforderlich sind. Während die Erfassung des
Körpergewichts auch bei preisgünstigen Geräten meist zuverlässig funktioniert, ist die Bestimmung des
Körperfettanteils oft ungenau und durch viele nicht beeinflussbare Faktoren verfälscht. Die
Körperzusammensetzung wird hier über das Bioimpedanz-Verfahren ermittelt: Ein schwacher, nicht
spürbarer elektrischer Impuls wird durch den Körper geleitet, und die unterschiedliche Leitfähigkeit der
Gewebearten ermöglicht Rückschlüsse auf die Zusammensetzung. Angaben wie Körpergröße, Gewicht,
Geschlecht und Alter verbessern die Genauigkeit.
Ein Nachteil einfacher Körperfettwaagen liegt in der Platzierung der Messelektroden direkt in der
Waage. Dadurch fließt der Impuls nur durch Füße, Beine und die Hüftregion, während die
Körperbereiche darüber nicht analysiert werden. Die Ergebnisse zur Körperzusammensetzung sind
dadurch nur begrenzt aussagekräftig. Körperfettwaagen mit zusätzlichen Elektroden an Füßen und
Händen erfassen die Gewebeverteilung des gesamten Körpers und bieten dadurch präzisere Ergebnisse.
Zu den Schwächen dieser Messmethoden gehören viele unkontrollierbare Einflüsse, die die Ergebnisse
verzerren können, z. B. der Hautleitwiderstand, der Flüssigkeitshaushalt oder eine volle Blase. Zudem
berücksichtigt die Waage nicht die individuelle Fettverteilung im Körper, und je nach Gerät basieren die
Berechnungen auf unterschiedlichen Formeln. Falls die individuelle Fettverteilung von den
angenommenen Normwerten abweicht, kann keine genaue Messung erfolgen.
Die Bioelektrische Impedanz-Analyse (BIA) liefert präzisere Ergebnisse zur Körperzusammensetzung.
Zwar basiert auch dieses Verfahren auf dem Impedanz-Prinzip, doch sind hier häufig acht oder mehr
Elektroden im Einsatz. Dabei ist zu beachten, dass die Hersteller unterschiedliche Berechnungsformeln
für die
fettfreie Masse (FFM)
und die
Körperzellmasse (BCM)
verwenden. Besonders bei einem
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40
Gerätewechsel sollten diese Formeln genau überprüft werden. In der Praxis werden die unten
genannten Formeln nur selten benötigt, zur Vollständigkeit werden sie dennoch hier dargestellt.
Genfer Formel (Kyle et al., 2001)
Männer und Frauen FFM = – 4,104 + (Größe²/Resistanz x 0,518) + (Gewicht x 0,231)
+ (Reaktanz x 0,130) + (Geschlecht [M = 1, F = 0] x 4,229)
Kotler (Kotler et al., 2001)
Frauen FFM = 0,88 (Größe 1,97/Impedanz0,49x 1,0/22,22) + 0,81 x Gewicht + 0,07
Männer FFM = 0,50 (Größe 1,48/Impedanz0,55x 1,0/1,21) + 0,42 x Gewicht + 0,49
Gray (Gray et al., 1989)
Frauen (19–59 % Fettmasse) FFM = 0,00151 x Größe² - 0,0344 x Resistanz + 0,140 x
Gewicht - 0,158 x Alter + 20,387
Männer (9–45 % Fettmasse) FFM = 0,00139 x Größe² - 0,0801 x Resistanz + 0,187 x
Gewicht + 39,830
Recap
Recap
Hier noch mal zusammengefasst, was du in dieser
Lektion gelernt hast:
•
Du kannst verschiedene Methoden zu Ermittlung der Körperzusammensetzung
nennen.
•
Du kannst das Taille-Hüft-Verhältnis berechnen und dessen Aussagekraft
hinsichtlich Gesundheitsrisiken erklären.
•
Die Vor- und Nachteile des Broca-Index und des BMI können von dir benannt
werden.
•
Du kannst die Vorgehensweise bei der Calipometrie beschreiben.
•
Die Vorzüge und Einschränkungen der bioelektrischen Impedanzanalyse und
herkömmlicher Körperfettwaagen sind dir bekannt.
•
Du kannst die Ergebnisse der verschiedenen Methoden dokumentieren und für die
individuelle Trainingsplanung nutzen.
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41
5
TESTUNGEN
Lernziele
Lernziele
Nach Bearbeitung diese
r Lektion
bist du in der Lage,
…
•
…die verschiedenen Testmethoden zur Ausdauerdiagnostik zu nennen.
•
…die Maximalkraft mittels 1-RM-Test zu ermitteln und die Ergebnisse in die
Trainingsplanung zu integrieren.
•
…Bewegungseinschränkungen und muskuläre Dysbalancen mittels Flexibilitätstests
festzustellen.
•
…die Bedeutung der Laktat-Leistungsdiagnostik und Spiroergometrie für die
Ausdauerleistung zu beschreiben.
•
…Verschiedene Testergebnisse zu dokumentieren und für die Trainingsplanung zu
nutzen.
5.1
Motorische Fähigkeiten
Motorische Fähigkeiten sind essenzielle Grundlagen, die die körperliche Leistungsfähigkeit und
Bewegungsqualität bestimmen. Sie bilden die Basis für alle sportlichen und alltäglichen Bewegungen.
Als zukünftige Personal Trainer sollten Sie mit diesen Fähigkeiten vertraut sein, um gezielte Testungen
und Trainingsprogramme für Ihre Kunden entwickeln zu können.
Die motorischen Fähigkeiten werden in fünf Hauptkategorien unterteilt:
1.
Kraft
:
Die Fähigkeit, einen äußeren Widerstand zu überwinden oder ihm entgegenzuwirken. Kraft
bildet die Grundlage für Bewegungen wie Heben, Drücken oder Ziehen und ist entscheidend für
die Stabilität und Leistungsfähigkeit Ihrer Kunden.
2.
Ausdauer
:
Die Fähigkeit, über einen längeren Zeitraum eine Leistung aufrechtzuerhalten und Ermüdung
zu widerstehen. Diese Fähigkeit ist vor allem bei längeren sportlichen Aktivitäten und zur
Verbesserung der allgemeinen Fitness Ihrer Kunden von Bedeutung.
3.
Schnelligkeit
:
Die Fähigkeit, Bewegungen in kürzester Zeit auszuführen. Diese Fähigkeit ist besonders relevant
für sportartspezifisches Training, beispielsweise bei Sprints oder schnellen Richtungswechseln.
4.
Beweglichkeit
:
Die Fähigkeit, Bewegungen mit großer Amplitude in den Gelenken auszuführen. Beweglichkeit
unterstützt die Effizienz und Sicherheit von Bewegungen und sollte ein fester Bestandteil jedes
Trainingsplans sein.
5.
Koordination
:
Die Fähigkeit, Bewegungen harmonisch und präzise zu steuern. Eine gute Koordination
erleichtert komplexe Bewegungsabläufe und die Erlernung neuer Fertigkeiten.
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42
Im Rahmen dieser Ausbildung und der dazugehörigen Testungen liegt der Schwerpunkt auf der
Ausdauer
und der
Kraft
. Beide Fähigkeiten sind nicht nur maßgeblich für die allgemeine Fitness Ihrer
Kunden, sondern spielen auch eine zentrale Rolle bei der Prävention von Verletzungen und der
Förderung langfristiger Gesundheit.
Durch standardisierte Testverfahren können Sie den aktuellen Leistungsstand Ihrer Kunden in diesen
Bereichen zuverlässig ermitteln. Die gewonnenen Daten dienen als Grundlage, um individuelle
Trainingspläne zu erstellen, die auf die spezifischen Bedürfnisse und Ziele Ihrer Kunden abgestimmt
sind.
5.2
Ausdauer
Ausdauertestungen dienen dazu, die körperliche Leistungsfähigkeit im Bereich der Ausdauer zu
bewerten und eine fundierte Grundlage für die Trainingsplanung zu schaffen. Je nach Zielsetzung und
Fragestellung können unterschiedliche Testverfahren zum Einsatz kommen, die sich in ihrem Aufwand,
ihrer Aussagekraft, den Kosten und den erforderlichen Fachkenntnissen unterscheiden.
Im Folgenden werden einige gängige Testverfahren vorgestellt, die praxisnah und vielseitig einsetzbar
sind:
•
PWC
-
Test):
Dieses standardisierte Verfahren ermittelt die körperliche Leistungsfähigkeit anhand der
Herzfrequenz bei submaximaler Belastung. Der PWC-Test eignet sich insbesondere für
Einsteiger oder Personen, bei denen ein risikoarmes Testverfahren notwendig ist.
•
Cooper
-
Test:
Ein Feldtest, bei dem in 12 Minuten möglichst viel Strecke zurückgelegt werden soll. Der Test
ermöglicht eine schnelle Einschätzung der kardiorespiratorischen Ausdauer und eignet sich
besonders für Anwendungen im Freien oder in Gruppensituationen.
•
Conconi
-
Test:
Ein Test, der die anaerobe Schwelle anhand der Herzfrequenzreaktion bei steigender Belastung
bestimmt. Diese Methode ist hilfreich, um individuelle Trainingsbereiche und
Belastungsgrenzen festzulegen.
•
Shuttle
-
Run
-
Test:
Dieser Test, auch als "Beep-Test" bekannt, misst die maximale aerobe Kapazität. Er ist
besonders für Sportarten geeignet, die schnelle Richtungswechsel erfordern, und lässt sich gut
in Gruppensettings durchführen.
Zusätzlich zu diesen praxisnahen Verfahren gibt es spezialisierte Testmethoden wie die
Laktatmessung
und die
Spiroergometrie
, die vor allem im Hochleistungsbereich eingesetzt werden. Diese Verfahren
liefern besonders präzise Ergebnisse zur Bestimmung der individuellen Leistungsfähigkeit, erfordern
jedoch eine entsprechende technische Ausstattung und Fachkenntnisse.
Aufgrund ihrer hohen Spezialisierung finden diese Methoden im Bereich des Personal Trainings nur
selten Anwendung und werden in dieser Ausbildung daher nur kurz behandelt.
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43
PWC
Der
PWC
-
Test (Physical Work Capacity
Test
)
ist ein bewährter Stufentest auf dem Fahrrad-Ergometer
zur Beurteilung der Ausdauerleistungsfähigkeit. Dabei wird die Wattleistung bei einer festgelegten
Herzfrequenz von 130, 150 oder 170 gemessen. Die Wahl der Zielherzfrequenz hängt von Alter und
Fitnesslevel der Testperson ab:
•
PWC 130
: geeignet für Personen ab dem 60. Lebensjahr
•
PWC 150
: für gesunde Personen mit niedriger bis mittlerer Leistungsfähigkeit
•
PWC 170
: empfohlen für Sportler und gesunde Personen mit mittlerer bis
guter Ausdauer
Der Testablauf beginnt bei einer Leistung von 25 Watt und einer konstanten Trittfrequenz von 60 bis 70
Umdrehungen pro Minute. Die Belastung wird alle zwei Minuten um 25 Watt gesteigert, bis die
gewählte Herzfrequenz (130, 150 oder 170) erreicht ist. Ist die Zielherzfrequenz erreicht, wird die Stufe
noch zu Ende gefahren.
Nach Abschluss des Tests wird die erreichte Wattleistung notiert. Anhand der aufgezeichneten Werte
kann die Ausdauerleistungsfähigkeit der Person beurteilt werden, entweder durch Vergleich mit der
nachfolgenden Tabelle oder zur Nachverfolgung individueller Fortschritte bei regelmäßiger
Wiederholung des Tests.
Die allgemeine Formel zur Berechnung der Watt pro Kilogramm Körpergewicht lautet:
Wichtig
: Der Test sollte abgebrochen werden, wenn Unwohlsein, Schwindel, Atemnot oder sonstige
Beschwerden auftreten, die nicht eindeutig der gewollten Ermüdung zuzuschreiben sind.
Abbildung 12: Wertetabelle zur Beurteilung der Ausdauerleistungsfähigkeit durch den PWC-Test
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44
Fallbeispiel:
Eine 35-jährige Frau mit durchschnittlicher Fitness möchte ihre aktuelle Ausdauerleistungsfähigkeit
ermitteln, um ihre Fortschritte in einem geplanten Trainingsprogramm zu verfolgen. Der PWC 150-Test
wird gewählt, da er für gesunde Personen mit niedriger bis mittlerer Leistungsfähigkeit geeignet ist.
Testablauf:
Die Testperson startet auf einem Fahrrad-Ergometer mit einer Leistung von 25 Watt und hält eine
konstante Trittfrequenz von 65 Umdrehungen pro Minute. Alle zwei Minuten wird die Leistung um 25
Watt gesteigert. Während des Tests wird die Herzfrequenz kontinuierlich überwacht. Nach sechs
Minuten erreicht sie eine Herzfrequenz von 148 Schlägen pro Minute. Die letzte Belastungsstufe von 75
Watt wird noch vollständig absolviert, wobei die Zielherzfrequenz von 150 Schlägen pro Minute am
Ende dieser Stufe gemessen wird.
Ergebnis:
Die maximale erreichte Wattleistung beträgt 75 Watt. Basierend auf der Tabelle zur Auswertung des
PWC 150-Tests (siehe oben) wird die Ausdauerleistungsfähigkeit wie folgt eingeordnet:
•
Körpergewicht der Testperson: 60 kg
•
Wattleistung pro kg Körpergewicht: (
75 Watt
/
60 kg
) =
1,25 W/kg
Laut der Tabelle liegt die Testperson damit knapp unter dem Durchschnittswert (Norm) von 1,6 W/kg
für Frauen im PWC 150-Test und zeigt eine leicht unterdurchschnittliche Ausdauerleistung. Dies bietet
eine gute Grundlage, um gezielte Trainingsmaßnahmen zu planen, die auf eine Verbesserung der
Ausdauer abzielen.
Conconi
Ein weiteres einfaches Testverfahren ist der sogenannte Conconi-Test, der je nach Gegebenheiten auf
einem Laufband oder einer festgelegten Strecke durchgeführt werden kann. Auf dem Laufband wird die
Geschwindigkeit alle 200 Meter um 0,5 km/h erhöht, bis zur maximalen Belastung. Wird der Test ohne
Laufband durchgeführt, verringert sich die zur Verfügung stehende Zeit alle 200 Meter um 1-3
Sekunden. Während dieses Verfahren auf dem Laufband einfach und präzise durchzuführen ist, fällt es
unerfahrenen Läufern häufig schwer, die Geschwindigkeit auf einer freien Strecke gleichmäßig zu
steigern. Hier kann die Begleitung durch z. B. einen Radfahrer hilfreich sein.
Nach jedem Intervall wird die Herzfrequenz gemessen, wobei der sogenannte "Deflection Point" von
Interesse ist. Das ist der Punkt, an dem die lineare Beziehung zwischen Geschwindigkeit und
Herzfrequenz abweicht. Dieser Punkt wird im Rahmen des Conconi-Tests als Indikator für die anaerobe
Schwelle verwendet.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass der Conconi-Test keine direkte Messung der individuellen
anaeroben Schwelle (IAS) ermöglicht. Die IAS ist der Punkt, an dem Laktat-Aufbau und Laktat-Abbau
nicht mehr im Gleichgewicht stehen, und das anfallende Laktat nicht mehr vollständig abgebaut werden
kann. Um die IAS präzise zu bestimmen, sind direkte Laktatmessungen erforderlich, da der Conconi-Test
lediglich auf der Herzfrequenz basiert und daher weniger genaue Ergebnisse liefern kann.
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45
Abbildung 13: Grafik eines Conconi-Tests mit Deflektionspunkt
Die Entscheidung, ob der Conconi-Test für die jeweilige Person praktisch und sinnvoll ist, hängt von den
individuellen
Zielsetzungen
ab. Dazu gehören beispielsweise:
•
Überwachung des Trainingsfortschritts:
Der Test kann helfen, Veränderungen in der
Herzfrequenz-Leistungs-Kurve zu erkennen. Eine Verschiebung des Deflection Points hin zu
höheren Geschwindigkeiten kann auf eine Verbesserung der Ausdauer hinweisen.
•
Bestimmung von Trainingsbereichen:
Auch wenn der Test nicht die individuelle anaerobe
Schwelle (IAS) präzise bestimmt, liefert er Anhaltspunkte, um Trainingsintensitäten grob zu
klassifizieren, etwa für Basis-, Schwellen- oder Intervalltrainings.
•
Motivationssteigerung:
Athleten können durch die Durchführung eines standardisierten Tests
ermutigt werden, ihre Fortschritte zu verfolgen und gezielte Trainingsmaßnahmen zu ergreifen.
Es ist wichtig, dass der Kunde motiviert ist, die Belastung bis an seine Leistungsgrenze zu steigern, da
der Test sonst keine verwertbaren Ergebnisse liefert.
Eine nützliche Ergänzung
ist der Conconi-Test, wenn er in Kombination mit anderen diagnostischen
Verfahren genutzt wird. Beispiele hierfür sind:
•
Ergänzung zu laktatbasierten Tests:
Während Laktattests eine höhere Validität besitzen und
präzisere Aussagen zur individuellen anaeroben Schwelle ermöglichen, kann der Conconi-Test
zwischen den Laborterminen zur groben Verlaufskontrolle genutzt werden.
•
Feldtests in Gruppen:
Für Teamsportarten oder größere Gruppen kann der Test eine praktikable
Methode sein, um schnell und ohne aufwendige Laborausstattung die
Ausdauerleistungsfähigkeit einzuschätzen.
•
Kosten
-
und Zeitersparnis:
Der Conconi-Test erfordert keine teuren Geräte oder aufwendige
Testverfahren und kann daher eine Option für Kunden mit begrenztem Budget sein.
Shuttle Run
Test
Der Shuttle-Run-Test ist ein Ausdauertest, bei dem der Proband über eine Strecke von 20 Metern hin
und her läuft. Die Geschwindigkeit wird dabei durch Intervalle zwischen Tonsignalen gesteuert, die sich
pro Minute erhöhen. Der Test beginnt mit einer Geschwindigkeit von 8 km/h. Jede Minute steigt die
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46
Geschwindigkeit um 0,5 km/h an. Der Läufer muss beim Tonsignal jeweils die Endlinie erreicht haben.
Hat er diese vor dem Tonsignal erreicht, darf er erst beim Ton wieder starten. Wenn er die Linie drei
Mal in Folge nicht rechtzeitig erreicht, wird der Test beendet. Das Ergebnis besteht aus der erreichten
Stufe und der Anzahl der gelaufenen Bahnen in dieser Stufe.
Tabelle 3 Wertetabelle für den Shuttle Run Test
Tabelle 4 Ergebniseinstufung des Shuttle Run Test
Fallbeispiel:
Ein 30-jähriger Mann möchte seine aerobe Ausdauerleistungsfähigkeit testen. Er führt den Shuttle-Run-
Test in einer Sporthalle durch. Ziel ist es, eine objektive Einschätzung seiner aktuellen Fitness zu erhalten
und mögliche Fortschritte im Rahmen seines Trainingsprogramms zu dokumentieren.
Testablauf:
Der Test beginnt mit einer Laufgeschwindigkeit von 8 km/h. Die Geschwindigkeit erhöht sich in jeder
Stufe (pro Minute) um 0,5 km/h. Die Tonsignale geben das Tempo vor, und der Läufer muss die Endlinie
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47
bei jedem Signal erreichen. Sobald die Tonsignale zu schnell werden und die Endlinie dreimal
hintereinander nicht rechtzeitig erreicht wird, endet der Test.
Testergebnis:
Der Proband erreicht
Stufe 11
und absolviert in dieser Stufe
6 Bahnen
, bevor er die Endlinie nicht mehr
rechtzeitig erreicht. Laut der Tabelle beträgt seine Laufgeschwindigkeit in dieser Stufe 14 km/h. Die
gesamte zurückgelegte Strecke wird wie folgt berechnet:
•
Gesamte Strecke bis zur Stufe 10: 2.600 m
•
Zusätzliche Strecke in Stufe 11 (6 Bahnen à 20 m): 6×20=1206 \times 20 = 1206×20=120 m
•
Gesamtlaufstrecke: 2.600 m + 120 m = 2.720 m
Bewertung:
Gemäß der Bewertungsübersicht für Männer im Alter von 26 bis 35 Jahren liegt das Ergebnis von Stufe
11/6 im Level 4. Dies entspricht einer
guten Ausdauerleistung
für diese Altersgruppe.
Cooper Test
Der Cooper-Test ist vielen bereits bekannt, da dieser zwölfminütige Lauf oft im Schul- und Freizeitsport
zur Bestimmung der Ausdauerleistungsfähigkeit eingesetzt wird. Basierend auf der zurückgelegten
Distanz lassen sich – unter Berücksichtigung von Alter und Geschlecht – Aussagen zur Ausdauerleistung
treffen. Dieses einfache Verfahren hat jedoch einige Nachteile: Insbesondere Anfänger können ihre
Leistungsfähigkeit häufig schlecht einschätzen, was dazu führen kann, dass das Starttempo entweder zu
hoch oder zu niedrig gewählt wird, sodass nicht das volle Potenzial abgerufen wird. Zudem ist das
subjektive Belastungsempfinden hier der limitierende Faktor, nicht objektive Daten.
Auswertungstabellen:
Tabelle 5 Auswertungstabelle Frauen
Alter (Jahre)
Sehr gut (m)
Gut (m)
Durch
-
schnittlich (m)
Schlecht (m)
Sehr
schlecht (m)
13
–
14
> 2000
1900
–
2000
1600
–
1899
1500
–
1599
< 1500
15
–
16
> 2100
2000
–
2100
1700
–
1999
1600
–
1699
< 1600
17
–
19
> 2300
2100
–
2300
1800
–
2099
1700
–
1799
< 1700
20
–
29
> 2700
2200
–
2700
1800
–
2199
1500
–
1799
< 1500
30
–
39
> 2500
2000
–
2500
1700
–
1999
1400
–
1699
< 1400
40
–
49
> 2300
1900
–
2300
1500
–
1899
1200
–
1499
< 1200
50+
> 2200
1700
–
2200
1400
–
1699
1100
–
1399
< 1100
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Tabelle 6 Auswertungstabelle Männer
Alter (Jahre)
Sehr gut (m)
Gut (m)
Durch
-
schnittlich (m)
Schlecht (m)
Sehr
schlecht (m)
13
–
14
> 2700
2400
–
2700
2200
–
2399
2100
–
2199
< 2100
15
–
16
> 2800
2500
–
2800
2300
–
2499
2200
–
2299
< 2200
17
–
19
> 3000
2700
–
3000
2500
–
2699
2300
–
2499
< 2300
20
–
29
> 2800
2400
–
2800
2200
–
2399
1600
–
2199
< 1600
30
–
39
> 2700
2300
–
2700
1900
–
2299
1500
–
1899
< 1500
40
–
49
> 2500
2100
–
2500
1700
–
2099
1400
–
1699
< 1400
50+
> 2400
2000
–
2400
1600
–
1999
1300
–
1599
< 1300
Laktat
-
Leistungsdiagnostik
Die Analyse der Laktatwerte ist ein diagnostisches Verfahren zur Bestimmung der
Ausdauerleistungsfähigkeit. Sie ermöglicht es, die individuelle anaerobe Schwelle (IAS) zu bestimmen,
die eine entscheidende Rolle bei der Steuerung und Optimierung des Trainings spielt.
Was ist die Laktatschwelle?
Die Laktatschwelle bezeichnet den Punkt, an dem sich Laktat im Blut schneller anreichert, als es
abgebaut werden kann. Sie markiert die Grenze zwischen niedriger und hoher Trainingsintensität.
Oberhalb dieser Schwelle wird die Belastung zunehmend anaerob, und die Muskeln beginnen, schneller
zu ermüden. Die Kenntnis der Laktatschwelle ist besonders wertvoll, da sie als zuverlässiger Indikator
für die Ausdauerleistungsfähigkeit gilt und ein präzises, zielgerichtetes Training ermöglicht.
Wie wird die Laktatschwelle ermittelt?
Die Laktatschwelle kann auf zwei Wegen bestimmt werden:
•
Laboruntersuchungen
o
Im Labor erfolgt die Laktatanalyse meist im Rahmen eines Stufen- oder
Rampenprotokolls. Dabei wird die Belastung schrittweise erhöht (z. B.
durch schnellere Laufgeschwindigkeit oder höheren Widerstand). An
jedem Belastungspunkt wird Kapillarblut, meist aus dem Ohrläppchen,
entnommen und die Laktatkonzentration gemessen.
o
Die Analyse der aeroben und anaeroben Schwelle erfolgt individuell
anhand der Laktatkurve.
•
Feldtests
o
Einfachere Methoden, wie der
30
-
Minuten
-
Test
, ermöglichen eine
Schätzung der Laktatschwelle ohne Blutentnahme. Dabei wird die
Herzfrequenz während einer maximalen, anhaltenden Belastung
gemessen.
o
Weitere gängige Tests sind das 3.200-Meter-Zeitfahren oder die
Conconi-Methode. Feldtests sind weniger präzise, bieten jedoch eine
praktische Alternative für die Trainingspraxis.
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49
Aerobe und anaerobe Schwelle
•
Aerobe Schwelle
:
Der Punkt, an dem die Laktatproduktion beginnt, über das
Ausgangsniveau zu steigen. Die Energiegewinnung erfolgt noch überwiegend
aerob.
•
Anaerobe Schwelle:
Hier halten sich Laktatproduktion und -abbau gerade noch die Waage.
Wird diese Schwelle überschritten, steigt die Laktatkonzentration exponentiell an, da der
Abbau nicht mehr mit der Produktion Schritt halten kann.
Individuelle vs. standardisierte Schwellenwerte
Individuelle Schwellenwerte:
Die Bestimmung der aeroben und anaeroben Schwellen erfolgt anhand des Verlaufs der Laktatkurve
und berücksichtigt die individuellen physiologischen Gegebenheiten.
Standardisierte Schwellenwe
rte:
•
aerobe Schwelle: 2 mmol/l Blut
•
anaerobe Schwelle: 4 mmol/l Blut
Dieses Diagnostikverfahren verliert jedoch an Bedeutung, da sie keine individuellen Unterschiede
berücksichtigt.
Aussagekraft der Laktatanalyse
Die Laktatanalyse ist ein leistungsstarkes Instrument zur Überwachung der Trainingsfortschritte. Eine
Rechtsverschiebung der Laktatkurve zeigt eine verbesserte Ausdauerleistung, da der Körper weniger
Laktat bei gleicher Belastung produziert. Eine Linksverschiebung hingegen deutet auf eine
Verschlechterung hin, da höhere Laktatwerte bereits bei geringeren Belastungen auftreten.
Abbildung 14 Laktatschwelle (Faude et al., 2009)
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50
Die Grafik zeigt die Beziehung zwischen der Laktatkonzentration im Blut (in mmol/L) und der
Belastungsintensität (Work intensity). Sie illustriert den Übergang von aerober zu anaerober
Energiebereitstellung während steigender körperlicher Belastung:
1.
Aerobic Threshold (Aerobe Schwelle)
:
Dies ist der Punkt, an dem die Laktatkonzentration im Blut leicht ansteigt,
typischerweise bei etwa 2 mmol/L. Bis zu dieser Intensität wird Energie
hauptsächlich aerob (mit Sauerstoff) bereitgestellt. Dieser Bereich eignet sich für
Grundlagenausdauertraining.
2.
Aerobic
-
Anaerobic Transition:
In diesem Übergangsbereich nimmt die Laktatproduktion allmählich zu, aber der
Körper kann das entstehende Laktat noch weitgehend abbauen. Es handelt sich
um einen Bereich mittlerer Intensität.
3.
MLSS (Maximum Lactate Steady State) / Anaerobic Threshold (Anaerobe
Schwelle)
:
Hier erreicht die Laktatkonzentration einen Punkt (häufig etwa 4 mmol/L), an
dem der Körper Laktat nicht mehr effizient abbauen kann. Oberhalb dieser
Schwelle steigt die Laktatkonzentration exponentiell an, und die Belastung wird
überwiegend anaerob. Dies führt zu einer schnelleren Ermüdung.
Training an der Laktatschwelle
Das Training an der Laktatschwelle verbessert die Laktattoleranz und die Fähigkeit, trotz einer
bestimmten Menge an Laktat im Blut leistungsfähig zu bleiben. Gleichzeitig werden die schnell
zuckenden Muskelfasern (fast-twitch muscle fibers) trainiert, Laktat effizienter abzugeben, und die
langsam zuckenden Muskelfasern (slow-twitch muscle fibers), es effektiver abzubauen.
Typische Trainingseinheiten umfassen:
•
Laufen:
3–5 x 1.200 m mit Pausen von je 90 Sekunden bei leicht erhöhter Intensität gegenüber
der Laktatschwelle
•
Radfahren:
Intervalle mit 2–4 Minuten Belastung knapp unterhalb der Laktatschwelle, gefolgt
von kurzen Erholungsphasen
Spiroergometrie
Die Spiroergometrie ist ein nicht-invasives Verfahren zur Messung der Atemvolumina und deren
Veränderung bei steigender körperlicher Belastung. Dieses Verfahren wird genutzt, um die
kardiopulmonale Leistungsfähigkeit sowie die Reaktionen des kardiovaskulären, ventilatorischen und
metabolischen Systems auf Belastung zu beurteilen.
Funktionsweise
Während der Spiroergometrie wird die Differenz zwischen der eingeatmeten und ausgeatmeten
Sauerstoffmenge (VO₂) gemessen. Dabei trägt die Testperson eine Atemmaske, die mit einem
Messgerät verbunden ist, während sie auf einem Ergometer (z. B. Fahrrad oder Laufband) belastet wird.
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51
Abbruchkriterien (Ausbelastung)
Der Test wird beendet, wenn mindestens drei der folgenden Abbruchkriterien erreicht sind:
•
Maximale Herzfrequenz (HRmax)
: Liegt bei ±10 S/min des alterstypischen
Normwertes (220 - Alter)
•
Respiratorischer Quotient (RQ)
: Ein RQ-Wert von >1,05 zeigt eine maximale
Belastung an.
•
Borg
-
Skala (6
-
20)
: Subjektive Wahrnehmung einer hohen Belastung mit einem
Wert von ≥17.
•
VO₂
-
Anstieg
: Ein Anstieg von weniger als 150 ml/min deutet auf eine
Erschöpfung hin.
Auswertung der Ergebnisse
Die Spiroergometrie liefert detaillierte Informationen über verschiedene physiologische Parameter:
•
Maximale Sauerstoffaufnahme (VO₂peak)
:
Dieser Wert zeigt die maximale Menge an Sauerstoff, die der Körper während intensiver
Belastung aufnehmen und nutzen kann. Er ist ein Indikator für die kardiopulmonale Fitness, aber
auch von motivationalen Faktoren abhängig.
•
Sauerstoffaufnahme an der anaeroben Schwelle (Anaerobic Threshold)
:
Dieser Wert ist unabhängig von der maximalen Belastungsfähigkeit und kann auch bei
submaximaler Belastung ermittelt werden. Er gibt den Punkt an, an dem der Körper beginnt, mehr
Laktat zu produzieren, als er abbauen kann.
Anwendungsbereiche
Die Spiroergometrie wird eingesetzt zur:
•
Beurteilung der kardiopulmonalen Gesundheit
•
Diagnose und Behandlung von Herz- und Lungenerkrankungen
•
Leistungsdiagnostik im Sport
•
Steuerung und Optimierung des Trainingsplans
Die Spiroergometrie ist eine hochpräzise Methode zur Bewertung der körperlichen Leistungsfähigkeit
und zur Identifikation von Schwellenwerten, die für die individuelle Trainingssteuerung wesentlich sind.
Sie liefert wertvolle Erkenntnisse sowohl für den Gesundheitsbereich als auch für die sportliche
Leistungssteigerung.
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52
Tabelle 7
VO₂max
-Referenzwerte für Männer (ml/kg/min)
Altersgruppe
Sehr
schwach
Schwach
Unterdurch
-
schnittlich
Durch
-
schnittlich
Gut
Sehr
gut
Aus
-
gezeichnet
20
–
24
Jahre
<27
27
–
31
32
–
36
37
–
41
42
–
46
47
–
51
>51
25
–
29 Jahre
<26
26
–
30
31
–
35
36
–
40
41
–
44
45
–
49
>49
30
–
34 Jahre
<25
25
–
29
30
–
33
34
–
37
38
–
42
43
–
46
>46
35
–
39 Jahre
<24
24
–
27
28
–
31
32
–
35
36
–
40
41
–
44
>44
40
–
44 Jahre
<22
22
–
25
26
–
29
30
–
33
34
–
37
38
–
41
>41
45
–
49 Jahre
<21
21
–
23
24
–
27
28
–
31
32
–
35
36
–
38
>38
50
–
54 Jahre
<19
19
–
22
23
–
25
26
–
29
30
–
32
33
–
36
>36
55
–
59 Jahre
<18
18
–
20
21
–
23
24
–
27
28
–
30
31
–
33
>33
60
–
65 Jahre
<16
16
–
18
19
–
21
22
–
24
25
–
27
28
–
30
>30
Tabelle 8
VO₂max
-Referenzwerte für Frauen (ml/kg/min)
Altersgruppe
Sehr
schwach
Schwach
Unterdurch
-
schnittlich
Durch
-
schnittlich
Gut
Sehr
gut
Aus
-
gezeichnet
20
–
24 Jahre
<21
21
–
25
26
–
29
30
–
33
34
–
37
38
–
41
>41
25
–
29 Jahre
<20
20
–
23
24
–
27
28
–
31
32
–
35
36
–
39
>39
30
–
34 Jahre
<19
19
–
22
23
–
25
26
–
29
30
–
33
34
–
36
>36
35
–
39 Jahre
<18
18
–
20
21
–
23
24
–
27
28
–
30
31
–
34
>34
40
–
44 Jahre
<16
16
–
18
19
–
21
22
–
24
25
–
27
28
–
30
>30
45
–
49 Jahre
<15
15
–
17
18
–
20
21
–
23
24
–
26
27
–
29
>29
50
–
54 Jahre
<14
14
–
16
17
–
19
20
–
22
23
–
25
26
–
28
>28
55
–
59 Jahre
<13
13
–
15
16
–
18
19
–
21
22
–
24
25
–
27
>27
60
–
65 Jahre
<12
12
–
14
15
–
17
18
–
20
21
–
23
24
–
26
>26
Die Spiroergometrie ist eine hochpräzise Methode zur Bewertung der körperlichen Leistungsfähigkeit
und zur Identifikation von Schwellenwerten, die für die individuelle Trainingssteuerung wesentlich sind.
Sie liefert wertvolle Erkenntnisse sowohl für den Gesundheitsbereich als auch für die sportliche
Leistungssteigerung.
Hinweis: L
aktatmessung und Spiroergometrie sind sehr genaue Ausdauertests, aber in der Praxis oft
schwer umsetzbar. Die Geräte sind teuer und erfordern spezielle Voraussetzungen, die nicht jeder
Personal Trainer hat. Trotzdem ist es wichtig, die Grundlagen zu kennen, um Ergebnisse zu verstehen
und Kunden dazu beraten zu können.
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53
5.3
Kraft
Maximal
k
raft 1
-
RM
Der Maximalkrafttest zur Bestimmung des Ein-Wiederholungsmaximums (1-RM) erfolgt anhand der
Anzahl an Wiederholungen, die der Trainierende mit einem festgelegten Gewicht bis zur Erschöpfung
absolvieren kann. Anhand einer entsprechenden Tabelle lässt sich so das mögliche 1-RM schätzen.
Berechnungsformel:
Um den Fortschritt des Kunden zu dokumentieren, können die erzielten Werte in einer Übersicht
eingetragen werden. Je nach Zeitpunkt der Testdurchführung im Monat kann das Ergebnis in der Tabelle
links oder rechts des Monats zentriert werden. Zum Beispiel könnte ein Ausgangsgewicht von 80 kg als
1-RM eingetragen und in den folgenden Monaten durch regelmäßige Tests ergänzt werden. Die so
entstandene Punktverbindung veranschaulicht die Leistungsentwicklung anschaulich und motivierend.
Diese Darstellung ermöglicht außerdem eine gezielte Trainingswirkungsanalyse, indem die erzielten
Fortschritte mit den individuellen Zielen des Kunden abgeglichen werden.
Tabelle 9 Tabelle zur Bestimmung des Ein-Wiederholungsmaximum
Abbildung 15: Beispielhafte Darstellung zur Dokumentation des 1-RM